Gemäss Lehrbuch umfasst die Intralogistik die Organisation, Steuerung, Durchführung und Optimierung des innerbetrieblichen Materialflusses, der Informationsströme sowie des Warenumschlags in Industrie und Handel. Der andauernd sich verschärfende Wettbewerb hat mehr und mehr Unternehmen dazu bewogen, für ihre Intralogistik technische Lösungen und Konzepte im Bereich der Automatisierung zu entwickeln und umzusetzen. Der gewählte Grad der Automatisierung ist in der Regel abhängig von der zu produzierenden Stückzahl, der benötigten Flexibilität, der Komplexität der Tätigkeit, den Lohnkosten und dem notwendigen Investitionsvolumen sowie dessen Finanzierbarkeit.

Bisher waren derartige technische Lösungen den grossen Industriebetrieben vorbehalten. Doch auch bei kleineren und mittleren Unternehmen können diese technischen Lösungen und Konzepte im Bereich der Automatisierung der Intralogistik sehr wohl gewinnbringend eingesetzt werden. Eine Möglichkeit, wie dies funktionieren kann, zeigt das Praxisbeispiel der Metzgerei Gabriel in Wolfenschiessen mit ihrer gesamtheitlichen Frischlogistik im Gewerbeumfeld.

Praxisbeispiel Metzgereibetrieb

Die Firma Metzger Gabriel in Wolfenschiessen, Nidwalden, wird bereits in der dritten Generation von Walter Gabriel geleitet. Das Unternehmen kann auf über 100 Jahre Erfolgsgeschichte zurückblicken und beschäftigt heute rund 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der kleine Gewerbebetrieb, der drei Filialen in der näheren Umgebung betreibt, überdurchschnittlich gut entwickelt, wodurch auch die Anforderungen an die internen Prozesse, die Organisation und die damit verbundenen Systeme zugenommen haben. Aufgrund des stetigen Wachstums der vergangenen Jahre ist es beim Metzgerei-Unternehmen zu einem akuten Platzmangel gekommen. Dieser wiederum führte zu einer schwierigen und ineffizienten Arbeitsweise.
Um den gewachsenen Anforderungen gerecht zu werden, ersetzte Metzger Gabriel AG in einem ersten Schritt sein altes EDV-System durch die «Branchenlösung Fleisch» des Spezialisten für Enterprise Resource Planning-(ERP-)Systeme, CSB-System AG, und implementierte damit eine leistungsfähige Informatik-Komplettlösung.

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Multifunktionales Hochregallager

In einem zweiten Schritt wurden im Rahmen des Erweiterungsbaus sämtliche intralogistischen Prozesse überarbeitet. Die Aufgabenstellung bestand darin, auf möglichst kleinem Raum eine höchstmögliche Effizienz und Flexibilität zu schaffen. Das Herzstück der neuen Lösung bildet ein vollautomatisches, multifunktionales Hochregallager.

Dieses dient einerseits als Bestandslager für die Rohstoffe, Zwischen- und Fertigprodukte, andererseits als Sortieranlage für die Verpackung oder als Bereitstellungs- und Sortierlager für die Versandgebinde. Dem Hochregallager ist eine Pickzone angeschlossen, in der ein Teil der Kundenaufträge zusammengestellt wird. Die Materialzuführung zur Produktion wird ebenfalls über das Multifunktionslager bewerkstelligt und sogar die Leergebinde-Pufferung und -Verteilung sichergestellt.

Mit dem 30-jährigen Slogan von Walter Gabriel «Hat es nicht gibt es bei uns nicht» hat die Metzger Gabriel AG bereits früh erkannt, dass man, um erfolgreich am Markt bestehen zu können, auf eine zukunftsorientierte Intralogistik nicht verzichten kann.

Hoher Automatisierungsgrad

Erstmals hat damit ein typisches Mittelstandsunternehmen aus der Lebensmittelbranche eine dermassen multifunktionelle Frischlogistik realisiert und einen derart hohen Automatisierungsgrad erreicht.

Das hat auch den nationalen Fachverband für Logistik, GS1, beeindruckt, und das Projekt LOGAB der Metzger Gabriel AG wurde für den Swiss Logistics Award 2010 nominiert.
Thomas Vogler, Geschäftsführer der Metzger Gabriel AG, bringt es auf den Punkt: «Unsere realisierte Lösung zeigt, dass sich Investitionen in die Intralogistik auch für kleinere und mittlere Betriebe rechnen.» War ein derart hoher Automatisierungsgrad bisher nur Grossbetrieben vorbehalten, so rechne sich laut dem Firmenchef des Metzgerei-Unternehmens aufgrund der kompakten Bauweise, der Multifunktionalität der Anlage und der ausgewählten Realisierungsmethode, gemeinsam mit dem Partner CSB-Engineering AG, die Investition auch für kleinere und mittlere Gewerbebetriebe. «Dadurch sind künftig auch Unternehmen dieser Grössenordnung in der Lage, ihre Prozesse noch effizienter zu gestalten, ihre Kosten zu senken und flexibel auf die Marktbedürfnisse zu reagieren», ist der Chef des Metzgerei-Unternehmens überzeugt.
Zwischenzeitlich haben bereits mehrere weitere kleinere und mittlere Unternehmen erkannt, dass durch solche technische Lösungen und Konzepte in dem Bereich der automatisierten Intralogistik die Zukunftssicherheit ihrer Unternehmen entscheidend positiv beeinflusst werden kann. Entsprechend haben sie sich für die Realisierung einer auf den jeweiligen Betrieb abgestimmten Intralogistiklösung entschieden.
 

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Kleine und mittelgrosse Unternehmen

Grosse Mehrheit
Kleine und mittelgrosse Unternehmen (KMU) gelten als die Stütze der Schweizer Wirtschaft. Die kleinsten Betriebe mit ein oder zwei Beschäftigten machen rund 60 Prozent der marktwirtschaftlichen Unternehmen in der Schweiz aus, bieten allerdings nur 10 Prozent der Arbeitsstellen. Als kleine Unternehmen werden jene Gesellschaften bezeichnet, die 2 bis 50 Personen beschäftigen und einen Umsatz von unter 10 Millionen Franken ausweisen. Mittelgrosse Unternehmen schliesslich zählen unter 250 Beschäftigte und erzielen einen Umsatz von unter 50 Millionen Franken. Alle zusammen bieten rund zwei Drittel aller verfügbaren Arbeitsplätze an. Mit 99,7 Prozent bilden sie die überwältigende Mehrheit der Firmen in der Schweiz. Insgesamt sind in der Schweiz rund 300 000 KMU aktiv.

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