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Rohstoffe
Kostet Öl schon bald wieder 100 Dollar?

Ölförderung
Ölförderung in den USA: Der Preis steigt.Quelle: Kristoffer Finn/laif

Der Preis des schwarzen Goldes klettert stetig und liegt so hoch wie seit knapp vier Jahren nicht mehr. Was treibt den Anstieg?

Von Tim Höfinghoff
am 24.09.2018

Der Rohölpreise kennt seit einigen Wochen nur eine Richtung: Nach oben. Anfang dieser Woche kostet Rohöl der europäischen Sorte Brent schon knapp 81 Dollar pro Fass (ein Fass entspricht 159 Liter). Das ist so teuer wie seit November 2014 nicht mehr. Für die US-Rohölsorte WTI mussten etwa 72 Dollar gezahlt werden, so viel sie seit Sommer 2011 nicht mehr.

Die Preisentwicklung von Rohöl ist entscheidend, weil es ein wichtiger Konjunkturindikator für die Weltwirtschaft ist. Es beeinflusst das Verhalten von Unternehmen und Konsumenten erheblich. Für viele Firmen ist Öl ein gewichtiger Kostenblock, ebenso für Privathaushalte, die damit heizen oder etwa ihre Fahrzeuge mit Benzin und Diesel antreiben.

Öl für 30 Dollar im Jahr 2016

Mitte 2014 lag der Brent-Ölpreis über der Marke von 100 Dollar. Anfang 2016 rangierte er allerdings auf Tiefständen rund um die Marke von 30 Dollar je Fass, Ende 2017 schon wieder bei der Marke um 70 Dollar.

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Ölpreis

Nun rechnen viele einflussreiche Rohöl-Handeslhäuser wieder mit Preise über der 100-Dollar-Marke, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. So prognostiziere der Co-Gründer der Mercuria Energy Group, Daniel Jaeggi, mit Preisen über 100 Dollar im vierten Quartal. Er begründet dies damit, dass im Markt die Kapazitäten knapper würden, wenn das Angebot von bis zu  2 Millionen Barrel pro Tag wegen der US-Sanktionen gegen den wichtigen Rohöllieferanten Iran wegfalle. Zum Vergleich: Derzeit liegt der weltweite Rohöl-Verbrauch bei rund 100 Millionen Barrel am Tag. Derweil erwartet der Co-Chef der Ölhandelsabteilung der Trafigura Group, Ben Luckock, dass Öl bis Weihnachten 90 Dollar koste, Anfang 2019 seien es dann schon 100 Dollar. 

Debatte um das Anzapfen der Reserven

Der Ölpreisanstieg kennt natürlich nicht nur Verlierer, wie Firmen und Konsumenten, die den Rohstoff in grossen Mengen nutzen. Sondern auch Gewinner: Ölproduzenten, wie der US-Gigant Exxon, können so ihren Wert an der Börse steigern. Das hat auch Folgen für Investments in der Branche: Je höher der Preis für den Rohstoff, desto einfacher sind weitere Bohrungen zu finanzieren. Das hat ebenfalls Konsequenzen für die Suche nach Schieferöl. Ölfördertechniken, wie das Fracking (dabei wird Öl und Gas mittels Chemikalien aus dem Boden gepresst), rechnen sich umso mehr, je höher der Ölpreis liegt. Länder wie die USA hatten in den vergangenen Jahren die Fracking-Technik massiv forciert, um sich unabhängiger von ausländischen Öllieferanten, wie aus dem Nahen Osten, zu machen.

Die Debatte um 100-Dollar-Ölpreise fällt in eine Zeit, in der US-Präsident Donald Trump Druck auf das Erdölkartell Opec macht, die Ölförderung zu erhöhen, um die Preise wieder zu senken. Dies lehnt die Opec allerdings ab. In den USA gibt es derweil die Debatte, ob es sinnvoll sei, die strategischen Ölreserven des Landes anzuzapfen, um damit das Angebot im Land zu erhöhen und die Preise zu drücken. In der Autofahrer-Nation USA kommen höhere Preise für Kraftstoffe schliesslich alle andere als gut beim Wähler an - besonders so kurz vor den Midterm-Wahlen im November.