Die anhaltende Kreditklemme im Süden der Euro-Zone bereitet der EZB vor ihrer nächsten Zinssitzung zusehends Kopfzerbrechen. Insgesamt wurden im Januar 2,2 Prozent weniger Darlehen vergeben als im Vorjahresmonat, wie die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt mitteilte.

Damit fiel der Rückgang noch einen Tick höher aus als von Experten erwartet. Bei den Firmenkrediten erwiesen sich die Banken als besonders knauserig: In Spanien wurden rund zehn Prozent weniger an Unternehmen vergeben als im Vorjahr, in Italien waren es fünf Prozent weniger Darlehen. Zum Vormonat schrumpfte die Gesamtsumme der Firmenkredite im Währungsraum um 12 Milliarden Euro.

Thema Strafzins schwappt wieder auf

Die schleppende Darlehensvergabe wird womöglich die EZB auf den Plan rufen: Um die Banken zu einer stärkeren Kreditvergabe anzuregen, könnte sie ihnen das Horten von Geld bei der Zentralbank mit einem Strafzins verleiden. EZB-Chef Mario Draghi hat dieses Thema schon mehrfach angeschnitten und erklärt, die Zentralbank sei dafür gerüstet.

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Derzeit liegt der Zins bei null, zu dem die Banken überschüssiges Geld bei der EZB parken können. Bei einer Senkung müssten sie also eine Art Strafgeld zahlen. Dänemark hat allerdings schlechte Erfahrungen mit diesem Kriseninstrument gemacht, da die Banken die Kosten umgehend auf ihre Kunden abwälzten.

Risiko einer Deflation

Doch die schwache Kreditvergabe kann die EZB nicht kalt lassen, da sie nach Ansicht von Experten Aufschwung behindert. Im schlimmsten Fall könne es am Ende zu einer konjunkturschädlichen Deflation kommen, also einem Preisverfall auf breiter Front.

Auch um solche Gefahren abzuwehren, könnte die EZB auf ihrer nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag mit einer Leitzinssenkung reagieren. Der Schlüsselzins liegt derzeit auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent.

EZB-Direktor Yves Mersch hatte jüngst betont, die EZB sondiere alle Optionen in einem «360-Grad-Winkel». Mit weiteren Massnahmen der EZB könnte die Konjunkturampel endgültig auf Grün gestellt werden, hoffen Experten. Die EU-Kommission traut der Euro-Zone nach zwei Rezessionsjahren einen Aufschwung zu. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr um 1,2 und 2015 um 1,8 Prozent wachsen, heisst es in der jüngsten Winterprognose.

(sda/dbe/sim)