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Geldpolitik
Kritiker fordern härteres Durchgreifen von der SNB

Thomas Jordan: Kritiker fordern stärkere Massnahmen. Keystone

Der starke Franken bewirke eine Deindustrialisierung der Schweiz, so Kritiker. Es seien energische Schritte nötig - sonst könnte auch die Personalie Thomas Jordan zur Diskussion stehen.

Veröffentlicht am 22.11.2015

Experten fordern von der SNB energischere Schritte, um die Überbewertung des Frankens zu korrigieren. «In der Schweiz hat eine Deindustrialisierung eingesetzt, die Situation ist dramatisch», sagt Franz Jaeger, Wirtschaftspolitiker und emeritierter Professor an der Universität St.Gallen: «Die markante Aufwertung hinterlässt tiefe Spuren und verändert die internationale Arbeitsteilung», sagt Serge Gaillard, Direktor der Eidgenössischen Finanz-verwaltung.

Zwar haben laut Gaillard rund 30 Prozent der Swissmem-Firmen nach dem Ende des Mindestkurses längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn eingeführt, um die Konkurrenzfähigkeit zu erhalten. Trotzdem ist der Auftragseingang der Swissmem-Betriebe in den ersten neun Monaten um 14,1 Prozent gesunken. «Die Schweiz ist auf dem besten Weg, sich zum Underperformer zu entwickeln«, sagt Jaeger.

Verlagerung in den Euro-Raum

Seit der Finanzkrise im Herbst 2008 seien in der Exportwirtschaft  «rund 45000 Arbeitsstellen«  abgebaut worden, betont Gaillard. Konkret haben bereits 22 Prozent der Swissmem-Betriebe Teile ihrer Wertschöpfungskette in den Euro-Raum verlagert. «Das sind beunruhigende Zeichen. Solche Verschiebungen sind irreversibel und übersteigen das Tempo eines normalen Strukturwandels«, sagt Gaillard. 

Für den ehemaligen Nationalrat Jaeger ist klar: Es braucht eine energische Intervention. «Die Nationalbank muss den Franken schwächen«, fordert er. Ein Kurs von 1.15 Franken zum Euro hält er für «gerade noch verkraftbar«. Laut Jaeger äusserten auch CVP-Nationalrat Gerhard Pfister, UBS-Chefökonom Andreas Höfert und der ehemalige SNB-Direktor Bruno Gehrig die Meinung, dass ein Umdenken der Nationalbank notwendig sei. «Wir haben gemeinsam unser Anliegen bei Nationalbankpräsident Jordan vorgebracht«, sagt Jaeger.

Ruf nach personellem Neuanfang

Er befürchte, «dass in Wirtschaft und Politik der Ruf nach einem personellen Neuanfang bei der Notenbank lauter werden könnte«. Diesem Druck könne Jordan «durch eine solid fundierte und glaubwürdig kommuni-zierte Anpassung der wechselkurspolitischen Strategie heute noch zuvorkommen», so Jaeger.

(me)

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