Chinas Regierung stellt sich auf eine deutliche Konjunkturabkühlung ein. Das Wachstum in der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft könnte in diesem Jahr auf sieben Prozent zurückgehen, sagte Finanzminister Lou Jiwei in Washington am Rande von US-Chinesischen Handelsgesprächen der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge.

«Trotz der Verlangsamung von Chinas Wachstumsrate zahlen sich die Strukturreformen aus.» Sollte das Plus im Gesamtjahr tatsächlich so gering ausfallen, wäre es das erste Mal, dass China das von der Regierung verordnete Wachstumsziel verfehlt. Die Führung in Peking rechnet offiziell für 2013 mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 7,5 Prozent - schon das wäre das geringste Wachstum seit 23 Jahren.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Erst im vergangenen Monat hatte Vize-Präsident Li Yuanchao erklärt, China sei in der Lage, in der Zukunft Wachstumsraten von sieben Prozent zu schaffen. Am Montag werden die Daten für das zweite Quartal vorgelegt.

Schattenbanken als Risiko

Noch vor wenigen Jahren hätte die chinesische Regierung bei derart geringen Wachstumsraten die Wirtschaft mit Konjunkturpaketen in Schwung gebracht. Doch die Führung unter Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang nimmt nun auch geringere Zuwachsraten in Kauf. Sie will die Wirtschaft unabhängiger von Exporten machen und geht gegen den ausufernden Schattenbanken-Bereich vor.

In China verleihen nicht nur Banken Geld - viele Unternehmen und Kommunen bedienen sich auch spezieller Kreditvehikel, die nicht in den Bilanzen der Banken aufgeführt sind. Der Schattenbanken-Sektor gilt inzwischen als eines der grössten Risiken für die chinesische Wirtschaft.

Zuletzt schon hatte das Wachstum spürbar an Fahrt verloren. So brachen die Exporte erstmals seit anderthalb Jahren ein. Dabei spielte neben der schwächeren internationalen Nachfrage aber auch eine Rolle, dass die Regierung in Peking verstärkt gegen gefälschte Rechnungen vorgeht, welche das Exportvolumen in diesem Jahr künstlich aufgebläht hatten.

(jev/muv/sda)