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Protest
«Manifest gegen die Krise der Ökonomie»

Bibliothek: Es braucht anscheinend mehr Literatur im Ökonomie-Studium.   Keystone

Wirtschaftsstudenten aus 20 Ländern fordern eine Neuausrichtung ihres Fachs. Auch Studenten aus der Schweiz mucken auf. Der Protest ist nicht der erste seiner Art – aber der organisierteste.

Von Mathias Ohanian
am 05.05.2014

Wirtschaftsstudenten aus der ganzen Welt haben in einem «Manifest gegen die Krise der Ökonomie» eine Neuausrichtung ihres Fachs gefordert. Studentengruppen aus insgesamt 20 Ländern verleihen damit ihrem Unmut über die als zu einseitig empfundene ökonomische Ausbildung Ausdruck. Sie beklagen «eine besorgniserregende Einseitigkeit der Lehre, die sich in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verschärft hat».

Zu den Verfassern des Manifests gehören auch Studenten aus der französischsprachigen Schweiz. Die Gruppe firmiert unter dem Nahmen Peps-Helvetia (Pour un Enseignement Pluraliste de l'économie dans le Supérieur en Suisse).

Renommierte Unterstützer

Nicht nur stecke heute die Wirtschaft in der Krise, schreibt nun die «International Students Initiative for Pluralism in Economics (ISIPE)», sondern auch «die Art, wie Ökonomie an den Hochschulen gelehrt wird». Der internationale Aufruf ist das erste gemeinsame Projekt der ISIPE und soll den Verfassern zufolge den Startpunkt einer langfristigen internationalen Zusammenarbeit bilden.

Unterstützt wird der Aufruf von international renommierten Forschern, darunter der derzeit wie ein Popstar gefeierte französische Ökonom Thomas Piketty, dessen Buch «Capital in the 21st Century» in diesen Wochen für Furore sorgt. Auch Andrew Haldane, ab Sommer Chefökonom der Bank of England, befürwortet den Vorstoss.

Auch an der Uni Zürich wird rebelliert

Der jüngste Studentenprotest ist nicht der erste seiner Art – aber wohl der organisierteste. Im Herbst 2011 verliess eine Gruppe aufgebrachter Studenten der amerikanischen Elite-Universität Harvard deomnstrativ eine Vorlesung von Greg Mankiew, weil sie dessen Unterricht zu einseitig fand. Die Aktion hatte Signalwirkung, nicht zuletzt weil Mankiew Autor eines der wichtigsten Standardwerke der Ökonomik ist.

In Zürich brach sich der Protest im vergangenen Sommer Bahn: In einem offenen Brief an die Wirtschaftsfakultät der UZH forderten Studenten einen «Ein stärkeren Bezug zu realitätsnahen Problemstellungen wie sozioökonomischen Fragen anstatt teils völlig abstrahierten und abgehobenen Modellen.» Demnach sollte das Quasi-Lehrmonopol neoklassischer Modelle aufgehoben werden.

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