Die Maschinenbauaufträge in Japan sind im Juni im Vergleich zum Vormonat gesunken. Der Rückgang lag saisonbereinigt bei 2,7 Prozent, wie die Regierung bekanntgab.

Dies deutet nach Einschätzung von Experten darauf hin, dass einige Unternehmen des Landes ungeachtet der neuen Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe weiterhin nicht bereit sind, wieder mehr zu investieren. Die Daten zu den Maschinenbauaufträgen - mit Ausnahme der für Schiffe und von Stromunternehmen - gelten als ein Indikator für die Investitionsbereitschaft der japanischen Unternehmen.

Abe will mit einer Mischung aus massiven schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen, einer extrem lockeren Geldpolitik und Reformen die Wirtschaft gesunden und die jahrelange Deflation mit stetig fallenden Preisen beenden. Doch Kritiker vermissen weiterhin überzeugende Schritte zur Umsetzung nötiger Strukturreformen.

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Senkung der Unternehmenssteuer

Der japanische Regierungschef Shinzo Abe erwägt derweil einem Zeitungsbericht zufolge, die Unternehmenssteuern zu senken. Mit diesem Schritt solle den potenziell negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der geplanten Mehrwertsteuer-Erhöhung entgegengesteuert werden, berichtete die Wirtschaftszeitung «Nikkei» unter Berufung auf Regierungskreise. Abe wolle prüfen lassen, ob mit einer Senkung der Unternehmenssteuern mehr Investoren in die weltweit drittgrösste Volkswirtschaft gelockt werden könnten, hiess es weiter.

Die Unternehmenssteuer in Japan von gut 38 Prozent gehört zu den höchsten in den Industrieländern. Die Mehrwertsteuer ist hingegen vergleichsweise niedrig. Nach bisheriger Planung der Regierung soll sie im April kommenden Jahres von fünf auf acht Prozent angehoben und im Oktober 2015 auf zehn Prozent steigen. Eine endgültige Entscheidung soll im September oder Oktober fallen. Es wird befürchtet, dass eine höhere Mehrwertsteuer die wirtschaftliche Erholung Japans belasten könnte.

Abe sich zum Ziel gesetzt, das Land aus 15 Jahren Deflation zu befreien. Mit einer aggressiven Haushalts- und Finanzpolitik («Abenomics») und Druck auf die Notenbank, die Wirtschaft mit billigem Geld zu fluten, hat er schnell erste Erfolge verbucht.

Japan ist das am höchsten verschuldete Industrieland der Welt. Der Internationale Währungsfonds sieht in der Erhöhung der Mehrwertsteuer einen «essenziellen ersten Schritt», um die Finanzprobleme in den Griff zu bekommen. Bleiben Reformen aus, könne das Vertrauen in das Land verloren gehen und letztlich auch die Weltwirtschaft leiden, warnte der IWF jüngst.

(chb/tke/awp/reuters)