Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft ist wegen der Ukraine-Krise so schlecht wie seit knapp anderthalb Jahren nicht mehr. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im September bereits den fünften Monat in Folge - und zwar von 106,3 auf 104,7 Punkte.

Das ist der tiefste Stand seit April 2013, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang auf 105,8 Zähler erwartet. «Der deutsche Konjunkturmotor läuft nicht mehr rund», sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Miese Aussichten

Die Führungskräfte schätzten nicht nur die Geschäftslage schlechter ein, sondern bewerteten auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate so schlecht wie seit Ende 2012 nicht mehr. In allen wichtigen Branchen trübte sich das Klima ein - von der Industrie, über den Handel bis hin zum Bau und den Dienstleistern.

Während die Industrie-Manager die Lage noch als gut bezeichneten, beurteilten sie die Aussichten angesichts vieler geopolitischer Krisen und der mauen Konjunktur in der Euro-Zone erstmals seit Januar 2013 negativ. «Vom Auslandsgeschäft werden kaum noch Zuwächse erwartet», sagte Sinn.

«Trübe Herbststimmung»

Mit dem erneuten Rückgang des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers schwinden die Chancen auf ein kräftiges Wachstum in der zweiten Jahreshälfte. «Das Wachstum scheint zu versiegen, trübe Herbststimmung legt sich über die Konjunktur», sagte Ökonom Holger Sandte von der Nordea-Bank. «Ein Einbruch der Wirtschaftsaktivität ist zwar nicht zu befürchten, markantes Wachstum aber auch nicht in Sicht.»

Auch auf die Verbraucherstimmung schlugen die internationalen Krisenherde zuletzt durch. Zum ersten Mal seit gut eineinhalb Jahren hatte sich die Konsumlaune der Bundesbürger im August eingetrübt.

Schwindendes Vertrauen

Das Vertrauen der Bürger in eine schwungvolle Entwicklung der Konjunktur schwand sogar so stark wie noch in keinem anderen Monat seit Beginn der Erhebung im Jahr 1980. Der Konsumklimaindex sank von 8,9 Zählern im August auf 8,6 Punkte für September.

Angesichts der Verunsicherung durch die Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten war das Bruttoinlandprodukt im Frühjahr überraschend um 0,2 Prozent geschrumpft. Der Bundesverband der Deutschen Industrie senkte seine Wachstumsprognose bereits von 2,0 auf 1,5 Prozent.

 (sda/ise/ama)