1. Home
  2. Konjunktur
  3. Mildere Kreditvergabe: UBS zerzaust Idee der Raiffeisen

Schlagabtausch
Mildere Kreditvergabe: UBS zerzaust Idee der Raiffeisen

Kräne: Die UBS plädiert für unverändert strenge Kreditregeln. Keystone

Raiffeisen weibelt für laxere Finanzierungsregeln beim Hauskauf. Nun jedoch warnt die Konkurrentin UBS: Der Vorschlag sei ein «Spiel mit dem Feuer». Die Kollegenschelte hat einen Beigeschmack.

Von Marc Bürgi
am 22.11.2016

Eine so deutliche Kritik ist in der Bankenbranche selten: Immobilienexperten der UBS stellen in einem aktuellen Bericht ziemlich direkt einen Vorschlag von Konkurrentin Raiffeisen in Frage. Es geht um deren Forderung, die Regeln für Hypothekarkredite zu lockern. Die Genossenschaftsbank möchte den kalkulatorischen Zinssatz unter bestimmen Voraussetzungen senken.

Dieser Zinssatz ist mitentscheidend, ob jemand bei den Banken einen Kredit bekommt: Die Hauskäufer müssen den Unterhalt – inklusive der Zinszahlung von rund 5 Prozent – mit maximal einem Drittel ihres Bruttoeinkommens bezahlen können. Der Satz erscheint hoch, denn aktuell ist eine Hypothek für einen viel tieferen Zinssatz erhältlich.

«Nicht mehr zeitgemäss»

5 Prozent «ist ganz klar nicht mehr zeitgemäss», sagte Raiffeisen-Chefökonom Martin Neff letzte Woche zu handelszeitung.ch. «Viele Menschen hätten wegen der tiefen Zinsen heute die Chance, sich Wohneigentum zu leisten.» Neff schlägt vor, den Satz auf 3 Prozent zu senken, sofern die Hauskäufer langfristige Hypotheken aufnehmen und mit dem dadurch gesparten Geld laufend die Bankschuld verringern. Dadurch wären die Risiken einer Zinsänderung laut Neff kontrollierbar.

Diese Idee ist für die UBS «ein Spiel mit dem Feuer»: «Einige Hypothekarbanken positionieren sich als Fürsprecher junger Familien», schreiben die Experten der Grossbank. «In Tat und Wahrheit würde eine Lockerung der Tragbarkeitregeln die Anfälligkeit des Immobilienmarkts bei einem Zinsanstieg deutlich erhöhen.» Junge Familien kämen dabei als Erste unter die Räder, ist man bei der UBS überzeugt.

«Wir sind unabhängig»

Die Kollegenschelte überrascht – und hat einen Beigeschmack: Schliesslich hat gemäss einer neuen Studie der Hochschule Luzern die Raiffeisen-Bank letztes Jahr die UBS als Marktführerin im Hypothekarmarkt abgelöst. Ist die UBS eine schlechte Verliererin? UBS-Ökonom Claudio Saputelli weist den Vorwurf zurück. «Wir sind von der UBS bezahlt, aber unabhängig.» Bei den Grossbanken sei die Marktanalyse strikt von der Geschäftstätigkeit getrennt.

Den UBS-Ökonomen  ist der Vorschlag von Raiffeisen grundsätzlich zu riskant. Falls die Zinsen steigen, hätten viele Hausbesitzer Mühe, die Hypothekarzinsen zu bezahlen, so die UBS. Bei einem Zinsanstieg um zwei Prozentpunkte könnten nach einer Umfrage acht Prozent der Haushalte ihren Hypothekarverpflichtungen nicht nachkommen. «Die heutigen Regeln schützen zahlungsschwache Haushalte», so Saputelli.

Warnung vor dem Zinsanstieg

Die Grossbank warnt zudem vor höheren Immobilienpreisen: Wegen der steigenden Nachfrage könnten sich die Preise um bis zu 40 Prozent verteuern.

Aus diesem Grund nützten lockere Kreditvorschriften den jungen Familien gar nicht, argumentiert UBS-Experte Saputelli: «Wegen der steigenden Preise werden sie wieder aus dem Markt gedrängt.» Das Preisniveau im Immobilienmarkt  ist aus Sicht der Grossbank momentan noch viel zu hoch, um die Kreditregeln zu lockern: Ein Crash sei weiterhin möglich.

«Das Zinsrisiko ist eine Mär»

«Wir hatten wegen der sinkenden Zinsen seit Jahren Rückenwind. Wenn ein Sturm aufzieht, wird eine sanfte Landung schwierig.» Niemand wisse, wie sich die Zinsen in einigen Jahren entwickeln werden, so Saputelli.

Raiffeisen-Chefökonom Martin Neff lässt die Kritik der Konkurrenzbank nicht gelten: «Das Zinsrisiko ist eine Mär, die ich schon seit acht Jahren höre», sagte er auf Anfrage von handelszeitung.ch. Auch die Warnung vor stark steigenden Immobilienpreisen kann er nicht nachvollziehen: «Es wird nicht über Nacht einen Wohneigentumsboom geben, weil der Markt ohnehin schon ziemlich gesättigt ist.»

Anzeige