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Minder: Einkaufstourismus ist «absolut unpatriotisch»

Schadet der Einkaufstourismus der Schweizer Wirtschaft? Thomas Minder, Vater der Abzockerinitiative und Ständerat, hat eine eindeutige Meinung dazu. Der Konsumentenschutz ebenfalls.

Veröffentlicht am 25.01.2015

Die Frage beschäftigt seit zehn Tagen die ganze Schweiz: Schaden die Einkaufstouristen unserer Wirtschaft? Die Meinungen dazu gehen weit auseinander. Für Thomas Minder (54), Schaffhauser Ständerat und Vater der Abzockerinitiative, ist klar: «Wegen ein paar Rappen Ersparnis im Ausland einzukaufen, ist absolut unpatriotisch.» Gerade in schwierigen Zeiten müssten die Schweizer zusammenhalten und die heimische Wirtschaft stützen.

Minder appelliert im «Sonntagsblick» an die Schweizer Konsumenten: «Schaut über euren eigenen Tellerrand hinaus, seid solidarisch und ehrt einheimisches Schaffen!» Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung Konsumentenschutz, animiert hingegen geradezu zum Auslandeinkauf. Sie selbst besorgt regelmässig auf diesem Weg Hygieneprodukte wie Shampoo: «Wenn sich die Politik nicht bewegt, bewegt sich halt der Konsument», sagt sie im Sonntagsblick.

«Grosskonzerne schöpfen in der Schweiz Gewinne ab»

Ein schlechtes Gewissen hat sie deshalb nicht: «Grosskonzerne schöpfen in der Schweiz ihre Gewinne ab.» Die enormen Preisunterschiede für Importprodukte schadeten den Schweizer Konsumenten und dem Gewerbe. Stalder: «Damit wird nur Volksvermögen vernichtet – eine bodenlose Frechheit.»

Auch die Baselbieter Grünen-Nationalrätin Maya Graf hält nichts vom Einkauf jenseits der Grenze. «Ich kaufe regionale Produkte!» Wenn man wisse, dass Fleisch und Eier in der EU in Massentierhaltung produziert werden, könne man nicht ohne schlechtes Gewissen im Ausland einkaufen. Ausserdem, so Graf: « Einkaufstourismus ist total kurzfristig gedacht.» Irgendwann sei dadurch auch der eigene Arbeitsplatz bedroht. Tatsächlich sind bereits jetzt Hunderte Stellen in der Schweiz in Gefahr.

Diskussion um Lohnsenkungen

Wegen der Deflation lancierte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (62, FDP) bereits eine Diskussion über Lohnsenkungen. Und seine Bundesratskollegin Eveline Widmer-Schlumpf (58, BDP) ruft zur Unterstützung der Schweizer Wirtschaft auf: «Unser Gewerbe ist darauf angewiesen, dass die Leute ihr Geld hier ausgeben.» Hohe Preise zu beklagen, helfe nicht. «Schliesslich haben wir auch Schweizer Löhne.»

(moh)

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