Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) war die Weihnachtszeit wenig beschaulich. Im Dezember kämpften die Währungshüter mit allen Mitteln gegen den starken Franken. Bereits Mitte des Monats hat die SNB massiv am Devisenmarkt interveniert, um den Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro zu verteidigen. Kurz darauf verkündete die Notenbank zudem die Einführung von Negativzinsen.

Auch über die Weihnachtstage war der Aufwertungsdruck auf den Franken gross. Am 25. Dezember kratzte der Kurs des Euro erneut an der Untergrenze. Die SNB dürfte daher erneut am Devisenmarkt interveniert haben. Daraufhin deutet der Anstieg der Giroguthaben der Schweizer Geldhäuser bei der Nationalbank in der Woche zum 26. Dezember hin. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass die SNB interveniert hat», sagt Birgit Heim, Analystin bei er Zürcher Kantonalbank.

«Starker Hinweis für eine Intervention»

Die Entwicklung der Giroguthaben gilt als Indiz dafür, ob und wie stark die SNB im Devisenmarkt interveniert, um die Euro-Untergrenze von 1.20 Franken zu verteidigen. Gerade in der Woche zu Weihnachten sind die Giroguthaben der Finanzinstitute bei SNB um fast elf Milliarden auf 326,9 Milliarden Franken gestiegen, wie die Nationalbank am Montag mitteilte. In der Woche davor hatte sich das Wachstum auf rund drei Milliarden Franken belaufen.

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«Der Anstieg der Giroguthaben ist ein starker Hinweis für eine Intervention», sagt ZKB-Analystin Heim. Doch abschliessend liesse sich das nicht beurteilen. «Erst die nächsten monatlichen Berichte der SNB über ihre Währungsreserven dürften Klarheit bringen.»

Negativzinsen senden falsches Signal

Auch die Commerzbank sieht im Anstieg der Giroguthaben einen Hinweis dafür, dass die Schweizer Währungshüter im Devisenmarkt eingegriffen haben. «Eine Intervention durch die SNB scheint plausibel», sagt Analyst Ulrich Leuchtmann bei Deutschlands zweitgrösster Bank. Der Druck auf den Franken sei wieder gestiegen. «Die Einführung der Negativzinsen hat nur kurzfristig Erleichterung gebracht.»

Ohnehin hätten die Negativzinsen ein falsches Signal an die Märkte gesendet. «Die SNB gibt damit zu verstehen, dass sie eine Intervention im grossen Stil verhindern möchte», so Leuchtmann. Das könnte laut des Analysten zu einem Bumerang für die Währungshüter werden. Denn gerade in der Weihnachtszeit sei die Liquidität an den Devisenmärkten gering. «Versuche, die SNB zu testen, könnten gerade dann öfters vorkommen.» Die Folge: Die SNB muss vermehrt intervenieren.

Intervention im grossen Stil

Wenn die SNB von Banken Euro kauft, um den Mindestkurs zu verteidigen, dann wird der Franken-Gegenwert auf die Girokonten gutgeschrieben. Daher war die Entwicklung der entsprechenden Guthaben bereits in der Vergangenheit ein starkes Indiz für eine Intervention durch die Währungshüter.

Das war beispielsweise 2012 so. Damals musste die SNB im grossen Stil intervenieren, um die Untergrenze von 1.20 Franken zu halten. Die Giroguthaben waren wöchentlich zum Teil um deutlich über 10 Milliarden Franken gestiegen. Dennoch: Mit Sicherheit lässt sich daraus keine Intervention schliessen. Eine Veränderung der Guthaben könnte auch andere Gründe haben – etwa die Emission oder die Rückzahlung von Bundesanleihen.