44 Hotel- und Gastrobetriebe aus Graubünden und dem Tessin wollen sich ab kommendem Winter die Mitarbeiter teilen. Profitieren sollen vor allem Saisoniers. Die Betriebe erhoffen sich Kosteneinsparungen und eine längerfristige Bindung der Angestellten.

Die Idee des von der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur lancierten und am Donnerstag vorgestellten Projektes ist simpel: Tourismusbetriebe mit unterschiedlichen Spitzen im Winter und Sommer sollen sich die Mitarbeitenden teilen. Hintergrund ist, dass Hotel- und Gastrobetriebe in den Alpen im Winter mehr Angestellte brauchen als im Sommer, und die Situation bei Betrieben im Tessin genau umgekehrt ist.

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Altes Regime: Saisonverträge

Die Hotels und Restaurants lösten das Problem der saisonal unterschiedlichen Auslastung bisher mit Saisonverträgen. Die Angestellten müssen sich für die andere Saison eine andere Stelle suchen.

Das Hin und Her zwischen zwei Stellen wirkt sich aber auch für die Arbeitgeber negativ aus: Die mobilen Saisonmitarbeiter wechseln ihre Stellen generell recht häufig, die Mitarbeiterfluktuation ist hoch. Das bringt Kosten mit sich und ist der Qualität der angebotenen Dienstleistung nicht förderlich.

Ein Vertrag für zwei Stellen

Beim Mitarbeitersharing sollen Saisonangestellte nur einen Vertrag für das ganze Jahr bekommen, aber je nach Saison bei mindestens zwei Unternehmen arbeiten. Den Angestellten bringt das Modell ein über das ganze Jahr gesichertes Einkommen.

Die Unternehmen sparen Fluktuationskosten, und weil sie ihre Saisoniers länger halten können, geht kein innerbetriebliches Know-How verloren. Schliesslich sollen auch die Kantone profitieren, indem sie weniger Arbeitslosengelder zahlen müssen.

Renommierte Betriebe an Bord

Die Branche verspricht sich vom Mitarbeitersharing offenbar einiges. Das zeigt die Liste der 19 teilnehmenden Unternehmen, zu denen die 44 Betriebe gehören. Schon am Anfang dabei sind renommierte Namen wie das St. Moritzer Luxushotel Badrutt's Palace, die Laaxer Bergbahnen Weisse Arena Gruppe und die Hotels Castello del Sole und Eden Roc aus Ascona im Tessin.

Zudem sind die Branchenverbände mit an Bord. Ebenso involviert sind die Wirtschaftsförderung sowie die Arbeitsämter aus Graubünden und dem Tessin. Und mit dem Thurgauer See & Parkhotel Feldbach und dem luzernischen Hotel Vitznauerhof hat das Projekt erste Ableger in weiteren Kantonen.

Reges Interesse

Die Projektleitung liegt beim Schweizerischen Institut für Entrepreneuership SIFE und dem Institut für Tourismus und Freizeit ITF, die beide zur HTW Chur gehören.

Wie viele Mitarbeitende ab kommendem Winter teilnehmen werden, ist noch offen. Eine Umfrage unter 150 Angestellten zeigte, dass sich 79 Prozent vorstellten können mitzumachen.

(sda/ise/ama)