Die Schweizer Notenbank (SNB) hat vor negativen Folgen der Geldflut durch die Zentralbanken gewarnt. Zwar hätten Notenbanken mit dem Einsatz unkonventioneller Massnahmen in der Krise Spielraum zurückgewonnen, sagte SNB-Chef Thomas Jordan am Dienstag auf einer Veranstaltung in Frankfurt laut Redetext.

Negativzinsen würden jedoch die Gefahr bergen, dass viele Anleger irgendwann lieber Bargeld horten. Und Interventionen am Devisenmarkt und Programme für eine geldpolitische Lockerung könnten die langfristige Handlungsfähigkeit einer Notenbank einschränken. «Unkonventionelle geldpolitische Instrumente müssen stets auf ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis geprüft werden», sagte Jordan.

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Franken bleibt überbewertet

Nach Einschätzung von Ökonomen wird die Europäische Zentralbank im nächsten Monat wahrscheinlich den Strafzins für Geldinstitute weiter verschärfen. Ihre Geldpolitik sei auch für die SNB «von grösstem Interesse». Mit ihrer Geldflut hatte die EZB für einen Höhenflug des Franken zum Euro gesorgt. Zwar habe sich der Franken in den vergangenen zwölf Monaten leicht abgeschwächt, sagte Jordan. Er bleibe jedoch «weiterhin deutlich überbewertet».

Jordan schloss das Referat mit drei «Hauptbotschaften». Die erste lautet, dass eine eigenständige Geldpolitik auch für eine kleine offene Volkswirtschaft in der Nachbarschaft eines grossen Währungsraumes möglich sei. «Eine eigenständige Geldpolitik erlaubt es einer Zentralbank, auf landesspezifische Störungen zu reagieren und mittelfristig die Preisstabilität sicherzustellen.»

Wechselkurs als grosse Herausforderung

Sowohl konventionelle als auch unkonventionelle geldpolitische Massnahmen hätten geholfen, die Schocks der Eurokrise und die massive geldpolitische Lockerung der EZB ab Mitte 2014 zu absorbieren.

In Zeiten grosser Krisen könne der übliche geldpolitische Spielraum rasch ausgeschöpft sein, was unkonventionelle Massnahmen notwendig mache, lautet die zweite Botschaft. «Dies gilt für grosse und für kleine Währungsräume. In kleinen Währungsräumen kann eine erhöhte Wechselkursvolatilität die Geldpolitik zusätzlich vor grosse Herausforderungen stellen.»

Möglichkeiten der Geldpolitik sind begrenzt

Und drittens hielt Jordan fest, dass die Möglichkeiten der Geldpolitik nicht unbegrenzt seien. Erstens könne die Wirkung von geldpolitischen Massnahmen mit der Dauer und der Dosis abnehmen. Zweitens stünden dem Nutzen von unkonventionellen geldpolitischen Massnahmen potenziell immer auch Kosten gegenüber. Und drittens könne schliesslich die Geldpolitik gerade in kleinen offenen Volkswirtschaften nicht jede negative Entwicklung der Weltwirtschaft oder der internationalen Finanzmärkte vollständig abfedern.

(reuters/apw/mbü)