Die Ölpreise sind am Dienstag nach der Einigung im Atomstreit mit dem Iran deutlich gesunken. Denn mit dem schrittweisen Abbau von Wirtschaftssanktionen kann der Iran mehr Öl ins Ausland liefern. Da bereits zu viel schwarzes Gold auf dem Markt ist, kommen die Preise weiter unter Druck - auch wenn Experten davon ausgehen, dass der Iran aus technischen Gründen erst langsam seine Förderung erhöhen kann. Ausserdem könnte das Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder bei einem zu schnellen Ausbau der Förderung auf einen Konflikt mit anderen Opec-Staaten zusteuern.

Nach Angaben der EU-Aussenbeauftragten Federica Mogherini ist der Atomstreit mit dem Iran beigelegt. Die sieben beteiligten Staaten erzielten nach mehr als zweiwöchigen Verhandlungen in Wien eine Einigung. Der Iran verpflichtet sich, sein Atomprogramm drastisch zurückzufahren.

Bereits jetzt «massiv überversorgt»

Die Vereinbarung sieht auch vor, dass die Sanktionen des Westens gegen das Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) aufgehoben werden. Damit ist der Weg frei für höhere Ölexporte des wichtigen Förderlandes Iran. In den vergangenen Handelstagen hatte bereits die Aussicht auf eine Einigung im Atomstreit die Ölpreise belastet. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (Iea) ist der Ölmarkt bereits jetzt «massiv überversorgt» und es sei mit weiteren Preisrückgängen zu rechnen.

Rohstoffexperten der Commerzbank gehen aber nicht davon aus, dass der Iran seine Ölförderung rasch erhöhen werde. Erst müssen die Produktions- und Transporteinrichtungen nach mehr als drei Jahren der Stilllegung wieder instandgesetzt werden. Allerdings verfüge das Land über grosse Lagerbestände, die zunächst exportiert werden könnten.

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Saudi-Arabien schwemmt den Markt weiter

Die Commerzbank-Experten gehen von einem Anstieg des iranischen Ölangebots um maximal 500'000 Barrel pro Tag bis Mitte 2016 aus und um weitere 500'000 Barrel pro Tag bis Ende 2016. «Gelingt es der Opec nicht, dieses zusätzliche Angebot durch anderweitige Kürzungen auszugleichen, bleibt das Überangebot am globalen Ölmarkt auch im kommenden Jahr bestehen.» Laut jüngsten Schätzungen förderte die Opec im Juni weiterhin deutlich mehr als die anvisierten 30 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, wobei der Anteil Saudi-Arabiens bei etwa 10,5 Millionen Barrel pro Tag gelegen hatte.

Experte Frederik Kunze von der NordLB sieht aber noch einen weiteren Grund für eine vergleichsweise langsame Rückkehr des iranischen Öls auf den Weltmarkt. Sollte die Führung in Teheran den Ölhahn nämlich zu schnell aufdrehen, könnte dies zu Spannungen innerhalb der Opec führen. Zwar sei das Kartell mitverantwortlich für den Verfall der Rohölpreise, der Mitte vergangenen Jahres eingesetzt hatte, so der NordLB-Experte. Ein neuerliches Einbrechen der Notierungen würde für den Iran aber die Gefahr einer Konfrontation mit anderen Opec-Ländern bergen.

Opec-Öl verliert ebenfalls

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete gegen Mittag 56,75 US-Dollar. Das waren 1,10 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,04 Dollar auf 51,16 Dollar.

Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) fiel zuletzt ebenfalls zurück. Das Opec-Sekretariat meldete am Dienstag, dass der Korbpreis der Ölsorten des Kartells am Montag bei 55,28 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) gelegen habe. Das waren 71 Cent weniger als am Freitag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten des Kartells.

(awp/gku/ama)