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Konjunktur
Nach dem Schock folgt die Ermüdung

Stabilisiert den Franken, so gut es geht: Nationalbank in Bern.Keystone

Die Schweizer Wirtschaft wächst um 1,3 Prozent. Die Zahl sieht auf den ersten Blick gut aus. Unter dem Strich bleibt die Lage aber ungemütlich.

Von Simon Schmid
am 02.03.2017

Positive Aussichten für die Industrie»: So deutet die Credit Suisse ihre jüngste ­Umfrage zum Einkaufsmanagerindex. Der Konjunkturindikator hat diese Woche den höchsten Stand seit 2011 erreicht. «Die Konjunktur­erwartungen haben sich spürbar aufgehellt», schreibt auch die Beratungsfirma EY in ihrem aktuellen Unternehmensbarometer. Jede fünfte ­Firma wolle vermehrt investieren.

«KMU-Exportstimmung auf neuem Höchststand», frohlocken die CS und Swiss Global Enterprise weiter. Gemäss ­ihrer vierteljährlichen Umfrage präsentiert sich die ausländische Nachfragesituation derzeit so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Schliesslich stimmt auch die Konjunkturforschungsstelle KOF in den Chor mit ein. «Konjunkturbarometer steigt markant», schrieb sie diese Woche. Der Frankenschock sei aus Sicht der Gesamtwirtschaft überwunden.

Unter dem Strich ist die Lage ungemütlich

Die Analysen hören sich gut an – eine Spur zu gut. Denn: Für manche Exportfirmen, gerade aus der Industrie, ist der Spuk noch nicht vorbei. Vielerorts stimmt zwar die «Top-Line», also der Umsatz. Doch bei der «Bottom-Line», also beim Gewinn, sieht es weniger rosig aus. Fast jede vierte Metall-, Elektro- und Maschinenbaufirma schrieb letztes Jahr rote Zahlen, berichtet der Verband der MEM-Industrie.

Hauptschuld daran trägt der starke Franken. Der Euro lag letztes Jahr durchschnittlich bei knapp über 1.09 Franken. Das entspricht einer Aufwertung von knapp 10 Prozent gegenüber der Zeit, als die Schwizerische Nationalbank noch den Mindestkurs verteidigte. In letzter Zeit wird die Einheitswährung zwischen 1.06 und 1.07 Franken gehandelt. Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

Das BIP ist weniger gut, als es aussieht

Die heute veröffentlichten BIP-Zahlen passen zu diesem Befund. Übers ganze Jahr 2016 hinweg wuchs die Schweizer Volkswirtschaft zwar mit 1,3 Prozent. Doch der grösste Beitrag dazu stammt aus dem Frühling und Sommer. Im Herbst- und Winterquartal stagnierte das BIP nahezu. Die Wachstumsraten lagen noch bei jeweils 0,1 Prozent.

Bedenklich ist der Rückgang der Investitionen und der Warenexporte, der zuletzt verzeichnet wurde. Besonders negativ ist der Trend bei den Präzisionsinstrumenten sowie bei Uhren und Bijouterie. Auch im Bereich der Forschung und Entwicklung läuft nicht mehr viel, wie das Seco in seiner Medienmitteilung schreibt. Das ist nachvollziehbar: Die starke Währung drückt nach wie vor auf die Ergebnisse. Dünne oder negative Margen bedeuten, dass Firmen ihre Investitionen nicht aus eigenem Cashflow finanzieren können – und deshalb Zurückhaltung üben.

Laut dem Institut BAK Basel muss sich erst noch weisen, «ob sich die zuletzt gute Stimmung unter den Unternehmen und Konsumenten als Fehleinschätzung erweist». Die Skepsis ist berechtigt. Fragezeichen zur mittelfristigen Entwicklung stellen sich. Bleiben innovationsfördernde Innovationen aus, leidet das Wachstums­potenzial. Nach zwei Jahren des Aufbäumens droht nun die Ermüdung.

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