1. Home
  2. Konjunktur
  3. Nahende Zinswende – Fed ist nicht mehr «geduldig»

Signal
Nahende Zinswende – Fed ist nicht mehr «geduldig»

Janet Yellen: Zinswende könnte kommen. Keystone

Die US-Notenbank Fed stellt erste Weichen für die Zinserhöhung. Die Passage, die ein «geduldiges» Vorgehen signalisiert, wurde gestrichen. Die geldpolitische Straffung soll aber langsam erfolgen.

Veröffentlicht am 18.03.2015

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bereitet die Finanzmärkte behutsam auf die nahende Zinswende ein. Sie strich am Mittwoch auf der geldpolitischen Sitzung eine Passage aus ihrem Text, in der sie ein «geduldiges» Vorgehen signalisiert hatte.

Stattdessen will sie handeln, wenn sich der Arbeitsmarkt weiter aufhellt. Zudem will sie sich einigermassen sicher sein, dass sich die Inflation mittelfristig wieder Richtung des Ziels von zwei Prozent zubewegt. Die neue Wortwahl ebnet den Weg für eine Abkehr vom Krisenmodus, den die Fed Ende 2008 mit ihrer Nullzinspolitik eingeschaltet hat.

Langsame Straffung

Die Mitglieder der amerikanischen Notenbank haben aber für die kommenden Jahre unter dem Strich erneut Abstriche bei den Prognosen für das geldpolitische Straffungstempo gemacht. Für Ende 2015 erwarten die Notenbanker im Schnitt einen Leitzins von nur noch 0,625 Prozent, wie aus am Mittwoch veröffentlichen Prognosen hervorgeht. Bei den letzten Prognosen im Dezember hatte dieser Wert bei 1,125 Prozent gelegen.

Ende 2016 dürfte der Leitzins (Fed Funds Rate) laut den Prognosen bei 1,875 Prozent liegen. Die bisherige Prognose hatte bei 2,5 Prozent gelegen. Für Ende 2017 wird ein Zinsniveau von 3,125 Prozent prognostiziert, wohingegen bislang 3,635 Prozent erwartet worden waren. Bereits im Dezember hatten die Notenbanker ihre Erwartungen an das Tempo der geldpolitischen Straffung gesenkt.

Bedeutung relativiert

Die Durchschnittswerte bei der Zinsprognose ergeben sich aus den Erwartungen der einzelnen Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses der US-Notenbank FOMC. Alle Währungshüter geben ihre Prognose während der zweitägigen Zinssitzung ab. Beobachter warnen davor, den Erwartungen zu viel Beachtung beizumessen. Auch Fed-Chefin Janet Yellen hatte in der Vergangenheit ihre Bedeutung mehrfach relativiert. Allerdings werden die Prognosen an den Finanzmärkten stark beachtet.

Bei den Erwartungen für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr und im kommenden Jahr machte die Fed ebenfalls Abstriche und senkte die Prognosen jeweils. Für das Jahr 2017 wird ebenfalls ein schwächeres Wachstum erwartet als zuletzt im Dezember. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt wird bis zum Jahr 2017 etwas ungünstiger erwartet als noch im Dezember.

Tiefe Inflation

Bei der Entwicklung der Verbraucherpreise rechnet die Fed mit Inflationsraten von 0,6 bis 0,8 Prozent für das laufende Jahr und mit 1,7 bis 1,9 Prozent für das kommende Jahr. Erst 2017 soll die Inflation wieder das von der Fed anvisierten Ziel von zwei Prozent erreichen.

(reuters/awp/gku/me)

 

Anzeige