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Negativzins treibt Schweizer Versicherer ins Risiko

Zurich Versicherung: Einer der Anbieter, die auf Negativzins reagieren müssen. Keystone

Die Schweizer Versicherungswirtschaft leidet am Negativzins, das zeigt eine Untersuchung. Die Folge: Versicherer reduzieren Kosten und riskieren mehr für die gleiche Rendite.

Veröffentlicht am 25.06.2015

Die Schweizer Versicherungswirtschaft ächzt unter Niedrigzinsen und regulatorischen Massnahmen. Tiefe Zinsen drücken die Erträge insbesondere bei den Lebensversicherern. Den Krankenversicherungen droht vor allem Ungemach durch regulatorische Massnahmen.
Für die grosse Mehrheit der Schweizer Versicherungen hat sich das Geschäftsumfeld in den letzten zwölf Monaten verschlechtert. Dies zeigt das Versicherungsbarometer, das vom Beratungsunternehmen EY in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen bei 15 grossen Erstversicherern erhoben wurde. Erstmals sind auch grössere Krankenversicherer befragt worden.

Hans-Jürgen Wolter, Leiter Aktuariat Schweiz bei EY, erklärte an einer Telefonkonferenz, dass bisher kein Versicherer einen Ausweg gefunden habe, wie man aus dem schwierigen Umfeld herauskommen könne. Besonders einschneidend sind die Auswirkungen der Niedrigzinsen für die Lebensversicherer. Wolter betonte, dass sich Versicherer bei einer Tiefzinsphase ein bis zwei Jahre behaupten könnten. Je länger aber die Niedrigzinsen anhielten, desto grösser werde die Durststrecke.

Versicherer gehen grössere Risiken ein

Die Einführung von Negativzinsen durch die Schweizerische Nationalbank macht es den Versicherern nach eigenen Angaben unmöglich, garantierte Zinsen zu erwirtschaften. Im Tiefzinsumfeld öffnet sich eine Schere zwischen den niedrigen Neugeldrenditen und den Garantieverzinsungen sowie den hohen Umwandlungssätzen in der beruflichen Vorsorge. Eine Absicherung des Zinsrisikos ist im aktuellen Zinsumfeld unvorteilhaft. Die Mehrheit der Lebensversicherer trägt daher das Risiko selbst.

Laut der Studie reagieren die Versicherer, indem sie Produkte mit geringeren Garantien anbieten und auf der Anlagenseite vermehrt grössere Risiken eingehen. Sie investieren etwa mehr in Aktien, höher verzinsliche Unternehmensanleihen oder Immobilien.

Kosten senken als Devise

Um im Wettbewerb zu bestehen, müssen die Versicherer auch ihre Kosten reduzieren. Laut der Studie erachten 60 Prozent der Befragten eine Kostensenkung von 10 bis 30 Prozent für nötig. Die Optimierung von Prozessen steht dabei im Vordergrund. Die Versicherungen setzen sich aber auch intensiv mit Outsourcing auseinander. 40 Prozent der Befragten rechnen damit, Arbeitsplätze an Dritte oder ins Ausland auszulagern.

Wolter geht nicht davon aus, dass das Versicherungsgeschäft arbeitsintensiver wird, glaubt aber auch nicht, dass die Branche vor einer grossen Entlassungswelle steht. Der Kostendruck bestehe nicht nur auf der Personalseite, sondern es werde dort gespart, wo ein grosser Nutzen entstehe, etwa auch im Vertrieb.

Zurich und Swiss Re lagern Geschäft aus

Outsourcing werde sich auf Bereiche konzentrieren, die nicht das Kerngeschäft beträfen, etwa der Informationstechnologie. Bei den grossen multinationalen Unternehmen, gebe es einen klaren Trend zum Outsourcing, stellte Wolter fest. Zurich und auch Swiss Re seien bereits in der Vergangenheit damit hervorgetreten.

Kleinere und mittlere Unternehmen hätten diese Möglichkeit nicht oder der Aufwand dafür seit unverhältnismässig gross. Eine Lösung für diese Unternehmen sieht Wolter in der vermehrten Zusammenarbeit zwischen den mittelgrossen Versicherern.

Klage über Regulierungen

Zu den grössten Herausforderungen für die Branche zählen laut Umfrage weiterhin steigende regulatorische Anforderungen. Gemäss Wolter gehören Regulierungen inzwischen zum «courant normal». Für die Mehrheit der Unternehmen hat der regulatorische Aufwand auch über die letzten zwölf Monate stark zugenommen.

Andrew Gallacher, Leiter der Versicherungsberatung bei EY, stellte fest, bereits im vergangenen Jahr hätten die Versicherer gemeint, dass der Gipfel der regulatorischen Massnahmen erreicht sei.

(sda/me)

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