Nullwachstum im zweiten Quartal, meldete das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Die Euro-Krise schwelt, Deutschlands Wirtschaftsmotor stottert. Reihum korrigieren die Konjunkturforscher nun ihre Wachstumsprognosen für die Schweiz nach unten.

Doch Konjunkturprognosen erweisen sich als notorisch unzuverlässig. Sie sind nur wenig besser als intelligente Vermutungen. Das geben die Forscher selber zu, wie neuere Publikationen von OECD, IWF und anderen bestätigen.

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Die komplexen Beziehungen zwischen unzähligen Menschen und Organisationen, ihre Erwartungen und ihre ständigen Anpassungen an sich ändernde Umstände lassen sich kaum in Modelle fassen und in klare Prognosen bündeln. Die zukünftigen Konsum- und Investitionsentscheidungen von Millionen Menschen abzuschätzen, wird auch mit allen modernen technischen Hilfsmitteln nicht einfacher.

Gefragter Blick in die Zukunft

Dennoch ist das Interesse daran ungebrochen hoch. Das hat mehrere Gründe. Zum einen kann der Mensch Ungewissheit nur schwer ertragen. Er stürzt sich auf alles, was ihm einen Blick in die Zukunft verspricht. Selbst Horoskope finden ihre Nachfrage. Zum anderen lieben die Medien exakte Voraussagen und das ständige Auf und Ab. Treffende Prognosen werden gefeiert, die viel häufigeren falschen gehen vergessen.

Nutzlos sind sie trotzdem nicht. So wie die Medizin, die nicht voraussagen kann, wie sich unsere Gesundheit im nächsten Jahr verändert, aber recht gut darin ist, auf diese Veränderungen zu reagieren, findet der britische Ökonom Simon Wren-Lewis auch die makroökonomische Konjunkturforschung nützlich.

Bandbreiten sind entscheidend

Dabei sollte man jedoch weniger auf exakte Punktprognosen zu Wachstumsraten oder Inflation achten, sondern mehr auf deren Bandbreiten. Ebenso wichtig sind die der Prognose zugrunde liegenden Annahmen und Einschränkungen. Damit lassen sich wichtige Entwicklungen für die eigenen Entscheidungen abschätzen und Szenarien durchspielen.

Man sollte sich nicht auf die nun korrigierten Wachstumsprognosen verlassen. Niemand weiss genau, ob die Schweiz dieses Jahr mit 1,4 oder 1,8 Prozent wachsen wird. Niemand kann voraussagen, wie sich die Ukraine-Krise weiterentwickeln wird oder wie die Investoren auf die Unternehmenssteuerreform reagieren werden.

Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Aber an den Einschätzungen und Szenarien der Konjunkturforscher lassen sich durchaus die eigenen Erwartungen testen. So tragen auch unsichere Prognosen zu mehr Sicherheit bei der Entscheidfindung bei.