1. Home
  2. Konjunktur
  3. Nouriel Roubini: Das bringt 2014 für die Weltwirtschaft

Erholung
Nouriel Roubini: Das bringt 2014 für die Weltwirtschaft

US-Ökonom Nouriel Roubini: Für 2014 ist er für einige Länder verhalten optimistisch.

Die meisten Industrieländer werden auch 2014 schwach wachsen. Einige Schwellenländer bleiben ebenfalls in Schwierigkeiten. Doch vielerorts gibt es Überraschungen: Das neue Jahr wird besser als 2013.

Von Nouriel Roubini
am 04.01.2014

2013 war für die Weltwirtschaft ein weiteres schweres Jahr. Mit etwa 1 Prozent pro Jahr hielt das unterdurchschnittliche Wachstum der Industriestaaten an, und viele Entwicklungs- und Schwellenländer verzeichneten einen Wachstumsrückgang auf 4,8 Prozent. Die gesamte Weltwirtschaft wuchs lediglich um 2,9 Prozent. Wie wird es 2014 für sie weitergehen?

Die gute Nachricht ist, dass sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern die Wirtschaftsleistung leicht zunehmen wird. Die Wirtschaft der Industrieländer, die von einem halben Jahrzehnt Schuldenabbau des privaten Sektors (Haushalte, Banken und Nichtfinanzfirmen), einer geringeren Haushaltsbelastung (ausser Japan) und der Fortführung der flexiblen Geldpolitik profitiert, wird etwa 1,9 Prozent jährlich wachsen.

«Tail-Risiken 2014 weniger bedeutsam»

Darüber hinaus werden sogenannte «Tail-Risiken» (Schocks mit grossen Auswirkungen, aber geringer Wahrscheinlichkeit) 2014 weniger bedeutsam sein. Die Bedrohung durch einen Zusammenbruch der Eurozone, eine weitere Regierungskrise oder noch einen Kampf um die Schuldengrenze in den Vereinigten Staaten, eine harte Landung in China oder einen Krieg zwischen Israel und dem Iran wegen Kernwaffen wird deutlich geringer sein.

Trotzdem werden die meisten Industrieländer (die USA, die Eurozone, Japan, Grossbritannien, Australien und Kanada) ihr potenzielles Wachstum gerade eben erreichen oder darunter bleiben. Die Haushalte, die Banken und einige Nichtfinanzfirmen leiden in den meisten Industriestaaten weiterhin unter hohen Verschuldungsquoten, was einen weiteren Schuldenabbau erfordert. Die Regierungen werden durch hohe Haushaltsdefizite und Staatsschuldenlasten weiterhin gezwungen sein, schmerzhafte Haushaltsanpassungen vorzunehmen. Und die privaten Investitionen werden weiterhin durch eine Vielzahl von Politik- und Regulierungsunsicherheiten gebremst.

Aussichten für 2014 gedämpft

Die Aussichten für 2014 werden auch durch längerfristige Einschränkungen gedämpft. In vielen Industrieländern zeichnet sich das Risiko säkularer Stagnation ab, da Jahre mangelnder Investitionen in menschliches und physisches Kapital das Produktivitätswachstum negativ beeinflusst haben. Und die Strukturreformen, die diese Volkswirtschaften zur Steigerung ihres potenziellen Wachstums benötigen, werden zu langsam umgesetzt.

Auch bei geringeren Tail-Risiken bleiben die grundlegenden Probleme der Eurozone ungelöst: weniger potenzielles Wachstum, hohe Arbeitslosigkeit, hohe und weiter steigende öffentliche Schulden, Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, nur langsame Verringerung der Arbeitsstückkosten (wobei ein starker Euro nicht hilfreich ist) und extrem strenge Kreditrationierung aufgrund des anhaltenden Fremdkapitalabbaus der Banken. Unterdessen finden Fortschritte hin zu einer Bankenunion nur langsam statt, und eine Haushaltsunion wird gar nicht erst angestrebt, obwohl die Lähmung durch das Zwangssparen und die politischen Risiken am Rand der Eurozone wachsen.

Schiefergasrevolution in den USA

In Japan hat die Regierung von Premierminister Shinzo Abe durch Lockerung der Geldpolitik und Expansion des Haushalts Fortschritte bei der Überwindung von fast zwei Jahrzehnten Deflation gemacht. Die Hauptunsicherheiten liegen bei der geplanten Erhöhung der Konsumsteuern und der nur langsamen Umsetzung des «dritten Pfeils» der Abenomics, Strukturreformen und Handelsliberalisierung.

In den USA wird die Wirtschaftsleistung im Jahr 2014 von der Schiefergasrevolution, Verbesserungen beim Arbeits- und Häusermarkt und der „Wiedereingliederung“ der Produktion profitieren. Die Risiken liegen in der politischen Blockade im Kongress (insbesondere angesichts der im November anstehenden Zwischenwahl), die den Fortschritt bei der langfristigen Haushaltskonsolidierung weiter begrenzen wird, in mangelnder Klarheit über den geplanten Ausstieg der Notenbank aus der Quantitativen Erleichterung (QE) und der Nullzinspolitik, und in regulatorischen Unsicherheiten.

Dem für die Schwellenländer schwierigen Jahr 2013 lagen mehrere Faktoren zugrunde, darunter China Wirtschaftsabschwächung, das Ende des Rohstoffsuperzyklus, und geringeres potenzielles Wachstum aufgrund von Verzögerungen bei der Einführung von Strukturreformen. Zusätzlich wurden einige grosse sich entwickelnde Volkswirtschaften im Frühling und Sommer hart getroffen, als die Ankündigung der Fed über einen bevorstehenden Ausstieg aus den QE eine Umkehrung der Kapitalflüsse auslöste. Dies liess Verletzbarkeiten erkennen, die noch aus der lockeren Geld-, Haushalts- und Kreditpolitik der Boom-Jahre billigen Geldes und reichlicher Kapitalzuflüsse stammen.

Schwellenländer wachsen 2014 schneller

Dass die Entwicklungs- und Schwellenländer im Jahr 2014 schneller wachsen werden – etwa 5 Prozent aufs Jahr gerechnet – hat mehrere Gründe: Die schnellere Erholung in den Industrieländern wird die Importe aus den oben genannten Ländern ankurbeln. Der Ausstieg der Fed aus den QE wird langsam sein, was die Zinsen unten hält. Das Risiko einer harten Landung in China wird durch politische Reformen gebremst. Und angesichts dessen, dass sich viele Entwicklungs- und Schwellenländer immer noch im Urbanisierungs- und Industrialisierungsprozess befinden, wird deren wachsende Mittelklasse mehr Güter und Dienstleistungen konsumieren.

Trotzdem werden viele dieser Länder – wie Indien, Indonesien, Brasilien, die Türkei, Südafrika, Ungarn, Argentinien und Venezuela – 2014 aufgrund grosser externer und haushaltlicher Defizite, langsamen Wachstums, zu geringer Inflation und wahlbezogener politischer Spannungen gefährdet bleiben. Einige davon – beispielsweise Indonesien – haben kürzlich ihre Politik angepasst und werden daher geringeren Risiken ausgesetzt sein, obwohl ihr Wachstum und ihre Wertpapiermärkte weiterhin durch politische Unsicherheiten und mögliche externe Schocks verletzbar bleiben.

Die Schwellenländer, die sich besser entwickeln, sind diejenigen mit weniger makroökonomischen, politischen und finanziellen Schwächen: Südkorea, die Philippinen, Malaysia und andere asiatische Industrieexporteure; Polen und Tschechien in Europa; Chile, Kolumbien, Peru und Mexiko in Lateinamerika; Kenia, Ruanda, und einige weitere Volkswirtschaften im Afrika südlich der Sahara; und die Öl exportierenden Golfstaaten.

China wird 2014 über 7 Prozent wachsen

Und schliesslich wird China 2014 eine jährliche Wachstumsrate über 7 Prozent beibehalten. Aber trotz der Reformen durch die Dritte Generalversammlung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei wird der Übergang des chinesischen Wachstumsmodells von festen Investitionen hin zum Privatkonsum zu langsam erfolgen. Viele Eigeninteressen, darunter diejenigen der Lokalregierungen und Staatsunternehmen, stemmen sich gegen Veränderungen, viele private und öffentliche Kredite werden faul werden, und die Führung des Landes ist uneins darüber, wie schnell die Reformen implementiert werden sollen. Obwohl China 2014 also eine harte Landung verhindern kann, bleiben die mittelfristigen Aussichten des Landes bedenklich.

Alles in allem wird die weltweite Wirtschaft 2014 stärker wachsen, und die Tail-Risiken werden geringer sein. Aber mit der möglichen Ausnahme der USA wird das Wachstum in den meisten Industrieländern stocken, und die Fragilität der Entwicklungs- und Schwellenländer – einschliesslich Chinas unsicherer Bemühungen um wirtschaftliche Neuorientierung – könnte in den Folgejahren zur einer Belastung für das weltweite Wirtschaftswachstum werden.

Nouriel Roubini ist Vorsitzender von Roubini Global Economics und Professor an der Stern School of Business der New York University.

Copyright: Project Syndicate, 2014.
www.project-syndicate.org

Anzeige