1. Home
  2. Konjunktur
  3. Nur Kleinanleger glauben noch an Gold

Kurs
Nur Kleinanleger glauben noch an Gold

Die goldene Frau aus dem James-Bond-Klassiker Goldfinger: Das Metall verliert an Glanz. (Bild: Keystone)

Grossinvestoren verkaufen weiterhin Gold en masse. Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht. Daran ändert auch die ungebrochen hohe Nachfrage von Kleinanlegern nach Münzen und Barren nichts.

Veröffentlicht am 22.05.2013

Durch den Preisverfall der vergangenen Monate hat Gold aus Sicht institutioneller Anleger viel von seinem Glanz verloren. Das sagt Frank Schallenberger, Chef-Rohstoffanalyst der deutschen Bank LBBW. «Schliesslich ist ein zwölfjähriger Aufwärtstrend zu Ende gegangen. Daher ist bei den Anlegern der Glaube gering, dass es bald wieder aufwärtsgeht.» Aus charttechnischer Sicht könnte der Goldpreis auf bis zu 1320 Dollar je Feinunze fallen. Sollte diese Marke unterschritten werden, sei ein Rückgang auf bis zu 1260 Dollar möglich.

Seit dem Jahr 2000 kannte der Goldpreis nur eine Richtung. Er stieg zwölf Jahre in Folge und versiebenfachte sich zeitweise auf 1920 Dollar je Feinunze. Grund hierfür waren vor allem die Finanzkrise und die Schuldenkrise sowie deren Auswirkungen. Anleger flüchteten sich aus Furcht vor einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft und einer galoppierenden Inflation in den sicheren Hafen. Aktuell kostet das Edelmetall etwa 1380 Dollar.

Bestände fallen und fallen

Spekulativ orientierte Anleger handeln mit Gold meist über Terminkontrakte oder mit Hilfe börsennotierter Fonds (ETFs). Diese kaufen oder verkaufen die entsprechende Menge des Edelmetalls. Der weltgrösste Fonds dieser Art ist der SPDR Gold, dessen Gold-Bestände derzeit bei 33,164 Millionen Feinunzen oder 1031 Tonnen liegen.

Die Edelmetall-Bestände aller Gold-ETFs  summieren sich auf 65,510 Millionen Feinunzen oder 1944 Tonnen. Das ist der niedrigste Stand seit April 2011. Im Dezember waren die ETF-Bestände noch auf ein Rekordhoch 76,177 Millionen Feinunzen gestiegen. Seither geht es fast ausschließlich abwärts. Im April waren es sogar 21 Tage hintereinander - Negativ-Rekord. 

Run auf Münzen und Barren

Für Privatanleger bleiben Gold-Münzen und -Barren dagegen wegen der Spätfolgen von Finanz- und Schuldenkrise erste Wahl. «Das fundamentale Umfeld hat sich nicht verändert», betont Robert Hartmann, Geschäftsführer des deutschen Goldhändlers Pro Aurum. «Die Realzinsen sind negativ und die Notenbanken weiten die Geldmenge aus. Eigentlich müssten die Edelmetalle deutlich höher stehen.»

Der Realzins bezeichnet den Leitzins abzüglich der Inflationsrate.  «Seit Anfang Mai ist das Interesse zwar etwas abgeebbt», fügt Hartmann hinzu. «Es liegt aber immer noch 50 bis 70 Prozent über dem Niveau vom Februar.» Aus diesem Grund bleibe es schwierig, die Nachfrage zu bedienen. Engpässe gebe es unter anderem beim Krügerrand, obwohl diese Münzen derzeit im Dreischicht-Betrieb geprägt würden.

Nach oben in Asien

Auch in Asien steht physisches Gold hoch im Kurs. Am vergangenen Donnerstag kletterten die Preise für Barren in Hongkong und Singapur auf Rekordhochs. In China - dem nach Indien weltweit zweitgrössten Gold-Markt - deuteten die Preisaufschläge der Terminkontrakte im Vergleich zur vergleichbaren Menge von Barren oder Münzen ebenfalls auf eine rege Nachfrage hin. Der in Shanghai gehandelte Future  stieg am Dienstag um bis zu 4,2 Prozent auf ein Drei-Wochen-Hoch von 280,88 Yuan je Gramm.

(se/rcv/reuters)

 

Anzeige