Seit acht Jahren schon ist das Wachstum der Weltwirtschaft «kraftlos», die OECD-Länder schaffen nicht einmal mehr zwei Prozent Plus. Einige aufstrebende Volkswirtschaften wie Russland und Brasilien sind in der Rezession.

Daher nimmt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft 2016 und 2017 um je 0,3 Prozentpunkte zurück – auf 3,0 Prozent für dieses und 3,3 Prozent für nächstes Jahr.

Tiefere Prognose für die USA

In ihrer am (heutigen) Mittwoch veröffentlichten Prognose geht die Organisation davon aus, dass in diesem Jahr die Wirtschaft in der Eurozone um 1,6 Prozent, in den USA um 1,8 Prozent und in China um 6,5 Prozent wachsen wird. Die Prognose für die USA (von 2,5 Prozent) und die Eurozone (von 1,8 Prozent) wurde dabei deutlich abgesenkt.

Nächstes Jahr solle dann die Weltwirtschaft um 3,3 Prozent zulegen. Im einzelnen betrage das Wachstum in der Eurozone 1,7 Prozent, in den USA 2,2 Prozent und in China nur mehr 6,2 Prozent. Hierbei wurden die Prognosen für die USA und die Eurozone um jeweils 0,2 Prozentpunkte gesenkt.

Fehlende Nachfrage

Fehlende Nachfrage, anhaltende Unsicherheit und ein gedrosseltes Tempo von Strukturreformen führten dazu, dass Unternehmen nur wenig investierten, analysierte OECD-Chefökonomin Catherine Mann. 39 Millionen Menschen würden auch 2017 noch arbeitslos sein. Das seien 6,5 Millionen mehr als vor der Krise. Der Welthandel werde langsamer wachsen als im historischen Durchschnitt.

Überhaupt habe sich inzwischen das Wachstumspotenzial der wirtschaftlich entwickeltsten OECD-Länder auf knapp 1 Prozent halbiert: «Die ernüchternde Tatsache ist, dass sich der erforderliche Zeitraum für eine Verdoppelung des Lebensstandards damit von 35 auf 70 Jahre verlängert hat», schreibt die OECD in ihrem Bericht. Die Welt sei in einer «Falle niedrigen Wachstums gefangen». Diese sei aber «weder der demografischen Entwicklung noch der Globalisierung oder dem technologischen Fortschritt zuzuschreiben».

Anzeige

Geldpolitik kein Allheilmittel

Vielmehr hätten die Regierungen viel zu lange auf die Geldpolitik vertraut. Inzwischen seien aber auf den Finanzmärkten «klare Signale für eine Überforderung der Geldpolitik zu erkennen». Die Folge «politischer Untätigkeit» seien verschlechterte Zukunftsaussichten für junge Menschen.

Im OECD-Raum seien 15 Prozent der Jugendlichen weder in Beschäftigung noch in Bildung oder Ausbildung. Die Realeinkommen würden sinken, die künftigen Pensionen dürften im Vergleich zur heute bezahlten Altersvorsorge «drastisch» zurückgehen und ausserdem lasse die CO2-Emissionsentwicklung die Gefahr schwerer Klimastörungen befürchten.

Länder haben Spielraum

Die angesagte Politik aus Sicht der OECD: «Fast alle Länder verfügen über Spielraum für eine Umorientierung der öffentlichen Ausgaben in Richtung stärker wachstumsfördernder Posten». Die öffentliche Hand solle den Spielraum nutzen, den die niedrigen Zinsen gewähren, denn sehr viele öffentliche Investitionen würden hohe Renditen versprechen.

Auch wenn natürlich jedes Land im Detail unterschiedliche Defizite habe, gelte allgemein, dass hohe Wachstumseffekte einerseits durch Investitionen in «harte» Infrastruktur wie Digitalisierung, Energie, Verkehr als auch in «weiche» Bereiche wie frühkindliche Bildung und Innovation erzielt werden können. «Mit der richtigen Weichenstellung können Unternehmensinvestitionen mobilisiert werden, die letztlich Voraussetzung dafür sind, dass die Wirtschaft der Niedrigwachstumsfalle entkommen und auf einen Pfad hohen Wachstums umschwenken kann», schreibt die OECD. Damit erwähnt die Organisation die hohen Schuldenberge nicht, die viele Staaten in die Krise gebracht hatten.

(sda/mbü/ama)