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Wirtschaftsausblick
OECD an SNB: «Korrektur notwendig»

SNB in Bern: Nun hat sich auch die OECD zur Schweizer Geldpolitik geäussert. (Bild: Keystone)

Erstmals äussert sich die OECD zur Zukunft der Frankengrenze der Nationalbank. Unter Voraussetzungen «sollte» die SNB «den Franken wieder frei schwanken lassen», schreiben die Pariser Ökonomen.

Von Mathias Ohanian
am 19.11.2013

Trotz des starken Franken dürfte die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre unorthodoxe Politik in nicht allzu ferner Zukunft aufgeben. Damit rechnet die Industrieländerorganisation OECD in ihrem heute veröffentlichten Wirtschaftsausblick – und zwischen den Zeilen liest sich die Prognose wie eine Empfehlung an die Schweizer Notenbanker.

«In der Geldpolitik wird früher oder später ein Korrektur notwendig werden», schreiben die Pariser Forscher. Sobald sich inflationäre Tendenzen abzeichneten und die weltwirtschaftlichen Risiken ausgewogener würden, «sollte die Schweizerische Notenbank den Franken wieder frei schwanken lassen und den Leitzins anheben». Dieser Satz aus der Feder der sonst mit Kritik sehr zurückhaltenden OECD darf sowohl als Prognose als auch Empfehlung an die SNB verstanden werden. Das bestätigte auch ein Experte der Pariser Organisation.

«Überwindung der Deflation langwieriger Prozess»

Erstmals hat sich die OECD damit in ihrem halbjährlichen Wirtschaftsausblick zu einem möglichen Ende der Frankengrenze geäussert. Noch im Frühjahr war die unkonventionelle Geldpolitik der SNB nur am Rande ein Thema für die Pariser Organisation gewesen, ebenso in den Einschätzungen zuvor. Bereits im vergangenen August waren indes einige von handelszeitung.ch befragte Experten davon ausgegangen, dass die SNB die Frankengrenze 2014 aufgeben dürfte. Der neue Bericht der OECD bestätigt generell diese Einschätzung. Tatsächlich interveniert die SNB heute kaum noch am Devisenmarkt – faktisch wird die Grenze also nicht mehr verteidigt.

Zwar dürfte die Nullzinspolitik auf kurze Sicht wohl fortgesetzt werden, erwarten die OECD-Forscher. Denn die «Überwindung der Deflation erweist sich als langwieriger Prozess» und auch die Arbeitslosigkeit dürfte trotz Beschäftigungszuwächse bis 2015 nicht nennenswert zurückgehen. «Da die Inflation letztlich jedoch anziehen dürfte, wird die Geldpolitik durch Zinserhöhungen und die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze allmählich normalisiert werden müssen», schreiben die OECD-Ökonomen.

Leicht mehr Wachstum erwartet

Den wirtschaftlichen Ausblick korrigierte die OECD im Vergleich zum Frühjahr leicht nach oben. Statt 2,0 Prozent erwartet sie fürs kommende Jahr nun einen Zuwachs des Bruttoinlandprodukts von 2,2 Prozent. Mit Blick auf die diesjährige Wachstumszahl ist die Anhebung gegenüber dem letzten Ausblick im Mai noch deutlicher: Nun wird ein Plus von 1,9 Prozent erwartet – statt 1,4 Prozent im Frühjahr. Nach der Projektion für 2015 dürfte die Wirtschaft dann mit 2,7 Prozent noch kräftiger zulegen.

Entsprechend werden auch die Schweizer Preise voraussichtlich wieder etwas stärker steigen: Nach einem Mini-Plus von 0,2 Prozent 2014 erwartet die OECD für 2015 eine jährliche Inflationsrate von 0,6 Prozent. In diesem Jahr sinken die Verbraucherpreise noch mal um 0,4 Prozent, nach minus 0,7 Prozent in 2012.

An diesem Donnerstag präsentiert die OECD in Bern ihren zweijährigen Länderbericht zur Schweiz. Neben dem sich aufhellenden wirtschaftlichen Umfeld wird dann auch die Entwicklung der Produktivität der Eidgenossenschaft ein Thema sein.

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