Nach 15 Jahren soll Schluss sein: Der renommierte Berner Ökonom Thomas Straubhaar tritt auf Herbst 2014 als Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) zurück. Der «Auslandschweizer des Jahres» 2005 verlässt das Institut auf dem Höhepunkt seiner akademischen Laufbahn, wie er sagt.

Der 56-jährige Straubhaar leitete das HWWI seit seiner Neugründung 2005 und war davor seit 1999 Präsident des Vorgängerinstituts. Über die Universität Hamburg liess er Ende vergangener Woche mitteilen, dass er «seinem Lebenswerk» genügend Zeit lassen wolle, einen geeigneten Nachfolger zu suchen, wie die «Berner Zeitung» berichtete.

Sättigungseffekt erkennbar

«Nach so langer Zeit tut es jeder Institution gut, einen neuen Stab zu installieren», sagte Straubhaar auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Der Überraschungseffekt verschwinde langsam, beim Publikum lasse sich ein Sättigungseffekt erkennen.

Zudem übergebe er seinem Nachfolger ein Institut, das so viele Aufträge erhalte wie nie zuvor und mittlerweile fünfzig Angestellte beschäftige. «Aus meiner Sicht, was ich leisten kann, ist der Höhepunkt erreicht.»

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Das privat finanzierte HWWI macht einen jährlichen Umsatz von drei Millionen Franken. In naher Zukunft sind Ausbauschritte in Brüssel geplant. «Das müssen nun junge Leute machen», sagte Straubhaar.

Mehr Freiheiten

Der Wirtschaftsprofessor wird seinen Lehrstuhl an der Universität Hamburg behalten. Er habe aber eine Einladung als ständiger Fellow der Transatlantic Academy in Washington erhalten. Dort plane er ein Freisemester, kündigte Straubhaar an.

Daneben werde er neue Sachen ausprobieren und viele Freiräume geniessen. Ab nächstem Herbst wolle er bei Projekten wieder mehr Risiko eingehen. «Ich konnte mir in den vergangenen Jahren kaum Fehler erlauben.»

Viel beachteter Experte

Straubhaar stammt aus Burgdorf, hatte einst in Bern Volkswirtschaft studiert und dozierte vor der HWWI-Ära im In- und Ausland. Vor acht Jahren wurde er von der FDP International für sein «herausragendes Engagement» für die Wirtschaftsforschung geehrt.

Er war unter anderem als wissenschaftlicher Berater für die EU sowie für die schweizerische und die schwedische Regierung tätig. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Globalisierung, Arbeitsmärkte und Migration. Als einer der wenigen bekannten Ökonomen in Deutschland tritt er für eine EU-Transferunion ein, die ökonomischen Reichtum auf alle Mitgliederländer gleichmässig verteilen will.

(sda/vst)