Volkswirte bleiben bei ihrer Prognose, dass die Federal Reserve in diesem September die Leitzinsen anheben wird – trotz der überraschenden Abwertung der chinesischen Währung, die die Unsicherheit erhöht hat. In einer Bloomberg-Umfrage, die zwischen dem 7. und 12. August durchgeführt worden ist, erwarteten 77 Prozent der Teilnehmer für den kommenden Monat den ersten Zinsanstieg der Federal Reserve seit dem Jahr 2006.

Im Juli lag der Anteil bei 76 Prozent. Elf Prozent der Teilnehmer sagten eine Anhebung der Zinsen für Dezember voraus, während acht Prozent einen solchen Schritt für Oktober erwarteten. Alle Volkswirte, die teilnahmen, bekamen die Möglichkeit, ihre Prognose nach den Ereignissen in China noch einmal anzupassen. Trotzdem rechnet eine klare Mehrheit mit einer September-Zinswende.

Notenbanker schaffen Zuversicht

Die Zuversicht gründet in den jüngsten Aussagen der Notenbanker: Fed-Währungshüter wie Dennis Lockhart, Präsident der Fed von Atlanta, sowie James Bullard von der Fed St. Louis hatten sich in den vergangenen Tagen zuversichtlich mit Blick auf die Erholung der amerikanischen Wirtschaft geäussert. William C. Dudley, Präsident der Fed von New York, erklärte erst am Mittwoch dieser Woche, er sei recht hoffnungsvoll für einen Zinsschritt in der «nahen Zukunft».

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Am Arbeitsmarkt hatte es zuletzt in der Tat anhaltende Fortschritte gegeben. US-amerikanische Unternehmen schufen im Juli 215’000 Jobs. Der Durchschnitt im bisherigen Jahresverlauf liegt bei monatlich lediglich 211’000 Stellen. Gleichzeitig jedoch hinken die Löhne und die Produktivität hinterher. Und eine Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft verdunkelt den internationalen Ausblick.

«Zugegeben, es wird knapp»

«Wir sind noch immer recht vorsichtig. Aber wir sehen, dass sich die Wirtschaft wacker genug für die Fed hält, damit sie bei der September-Sitzung des Offenmarktausschusses mit der Normalisierung der kurzfristigen Zinsen beginnen kann», schrieb Sam Bullard, ein Volkswirt bei Wells Fargo Securities in Charlotte, North Carolina, in einer Kundennotiz vom 12. August. Er relativiert aber: «Zugegeben, es wird knapp.»

Der Handel bleibt das wichtigste Risiko für den Ausblick der USA, erklärte Bullard in seinem Papier weiter. Es gäbe zwei Kern- Stolpersteine: der starke Dollar und die träge internationale Nachfrage.

«Wir müssen abwarten»

Die Entscheidung Chinas vom Dienstag dieser Woche, den Yuan abzuwerten, könnte den Gegenwind für die USA verstärken. Volkswirten zufolge wird die Option eines Zinsanstiegs im September damit aber nicht vom Tisch genommen, solange das Inlandswachstum stark bleibt.

«Die Fed könnte noch immer freie Bahn für eine Erhöhung der Zinsen im September haben», meinte auch Gennadiy Goldberg, US-Stratege bei der kanadischen TD Securities in New York. «Wir müssen abwarten. Es ist noch zu früh, um schon jetzt zu einem Ergebnis zu kommen.»

Marktindizien sprechen eine andere Sprache

Während die meisten Volkswirte also weiter an einen Zinsanstieg im kommenden Monat glauben, ist sich der Markt in dieser Frage nicht ganz so sicher.

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Am Donnerstag dieser Woche preisten Investoren eine 48-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung durch die Federal Reserve im September ein – basierend auf Preisen für Federal-Funds-Futures-Kontrakte. Es wird offenbar davon ausgegangen, dass der effektive Zinssatz nach der Erhöhung 0,375 Prozent beträgt. Aktuell liegt er in einer Spanne zwischen 0 und 0,25 Prozent.

(bloomberg/ise)