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Öl sprudelt und die Opec kann das Leck nicht stoppen

Öl sprudelt und die Opec kann das Leck nicht stoppen
Ölpumpe: Der Preis ist seit Anfang Jahr stark gesunken. Keystone

Das Ölkartell Opec schafft es nicht, den Preiszerfall beim schwarzen Gold zu stoppen. Das Hauptproblem für Saudi-Arabien und die anderen Förderer: US-Produzenten torpedieren ihre Bemühungen.

Von Marc Bürgi
2017-06-22

Der Ölpreis ist am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit fast einem Jahr gefallen. Ein Fass der Sorte WTI kostete am Morgen in New Yok 42,30 Dollar, Brent war für 44,56 Dollar zu haben. Am Freitagmorgen stiegen die Preise wieder leicht, verharrten aber unter der Marke von 50 Dollar pro Fass. Seit Anfang Jahr hat sich Öl um über einen Fünftel verbilligt.

Das Ölkartell Opec ist somit vorerst mit ihrem Versuch gescheitert, den Preis zu stabilisieren. Die 13 Länder unter der Führung von Saudi-Arabien haben sich zum Ziel gesetzt, für stabile Ölpreise zu sorgen, indem sie sich bei der Produktion einschränken. Bis zum März 2018 wollten sie gemeinsam mit Russland und weiteren Ländern weniger Öl aus dem Boden pumpen.

US-Produzenten gewinnen Marktanteile

Die USA sind nicht Teil des Efforts, und darin liegt das Hautproblem der Opec. Die amerikanischen Schiefergasproduzenten sowie Ölförderer wie Nigeria und Libyen nutzen die Gelegenheit, um ihre Produktion hochzufahren und Marktanteile zu gewinnen. «Öl ist so billig, weil die USA fracken, was das Schiefer hergibt», sagte Ulrich Stephan, Anlagestrategie der Deutschen Bank, zur Agentur Reuters.

Der Ölpreis sinkt auch, weil die Lager gefüllt sind. Vor dem Start der Produktionsbremse der Opec im Januar hatte insbesondere Saudi-Arabien drei Jahre lang den Markt mit Öl geschwemmt. Die Saudis als weltgrössten Ölförderer versuchten über den tiefen Preis die US-Konkurrenz aus dem Markt zu drängen – offensichtlich erfolglos, wie die aktuelle Situation zeigt.

Ein Warnsignal für die Börsen

Der sinkende Ölpreis kann aber auch als Folge von einer fehlenden Nachfrage interpretiert werden. Das wäre ein Warnsignal – es würde bedeuten, dass sich das weltweite Wirtschaftswachstum verlangsamt. Viele Anleger teilen offensichtlich diese Sorge. Weltweit sind die Börsenkurse unter Druck. Der Schweizer Leitindex SMI sank gestern Mittwoch unter 9000 Punkte.

Aus Sicht von Experten ist jetzt die Opec und insbesondere Saudi-Arabien am Zug. Schliesslich hat der saudische Ölminister mehrmals bekräftigt, alles Mögliche zu unternehmen, um die Ölpreise zu stabilisieren. «Die Opec kann jetzt nicht zuwarten. Sie müssen die Produktion drosseln, um den Preis über 50 Dollar zu hieven», sagte Fereidun Fesharaki von der Energieberatungsfirma FGE.  Falls die Opec nicht handelt, dürfte der Preis unter 40 Dollar pro Fass sinken, sagte Fesharaki zu Bloomberg.

Schmerzhafte Einschränkung

Die Opec-Länder führen gemäss dem iranischen Ölminister bereits entsprechende Gespräche. «Es ist aber sehr schwierig, eine Einigung zu erzielen, weil sich die Länder bei der Ölförderung einschränken müssten», sagte Bijan Zanganeh gegenüber iranischen Medien.

Für die grossen Ölproduzenten ist die Förderbremse schmerzhaft, denn dadurch fehlen ihnen wichtige Einnahmen. Sie riskieren durch die Produktionsbremse, noch mehr Marktanteile an die Konkurrenten aus den USA zu verlieren. Manche Experten bezweifeln deshalb, dass Länder wie Saudi-Arabien bereit sind, ihre Produktion stark genug einzuschränken, um die Preise zu steigern.

«Völlig unzureichend»

Bislang senkten die Opec-Länder und Russland ihre Produktion um 1,8 Millionen Fass am Tag – das entspricht lediglich etwa zwei Prozent der weltweit täglich produzierten Menge. «Diese Einschränkungen sind völlig unzureichend», sagte Bob McNally von der US-Beratungsfirma Rapidan Group zur «Financial Times».  «Sie untergraben damit das Vertrauen in eine Stabilisierung des Markts», so McNally.

 

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