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Ölpreisverfall setzt Afrikas Förderländer unter Druck

Südsudan: Ölplattformen in Kotch. Keystone

Wieder ist der Ölpreis abgestürzt. Die Folgen für Afrikas Förderländer sind drastisch. Ihre Volkswirtschaften sind massiv vom Export des schwarzen Golds abhängig.

Veröffentlicht am 22.01.2016

Der Ölpreis ist am Boden. Die Gewinnspannen afrikanischer Förderländer sind bestenfalls minimal. Bleibt der Trend bestehen, könnten einige Staaten gezwungen sein, Ölfelder zeitweise stillzulegen, warnen Experten.

In Schwarzafrika ist die wirtschaftliche Stabilität der grössten Erdölproduzenten - wie Angola, Nigeria, Äquatorialguinea und Sudan - eng an den Export des schwarzen Golds gebunden. In Nigeria, der grössten Volkswirtschaft des Kontinents, macht Erdöl nach Angaben des Internationalen Währungsfonds mindestens 80 Prozent aller Exporteinnahmen aus.

Verdoppeltes Haushaltsdefizit

In Äquatorialguinea sind es sogar 95 Prozent, im Sudan mehr als 56 Prozent und in Angola fast 48 Prozent. Die Einnahmen finanzieren grosse Teile des Staatshaushalts.

Seit dem Preisverfall von Erdöl geht es den einst für ihr hohes Wirtschaftswachstum gefeierten Förderländern eher schlecht. «Wir erwarten, dass sich Nigerias aktuelles Haushaltsdefizit aufgrund des niedrigen Ölpreises verdoppelt», erklärt die Afrika-Analystin der Londoner Wirtschaftsforschungsfirma BMI Research, Francesca Beausang.

Auch in Äquatorialguinea gebe es einen gefährlichen Abwärtstrend. Dort sei die Volkswirtschaft im vergangenen Jahr bereits um 12,6 Prozent geschrumpft.

Sind die Staatskassen leer, müssen Regierungen ihre Ausgaben drastisch zurückfahren. Angola habe bereits Haushaltskürzungen von 25 Prozent angekündigt, Nigeria von 23 Prozent, sagt Chris Bredenhann, Ölexperte der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) in Südafrika.

Gestrichen werden vor allem Pläne für Infrastrukturprojekte - inklusive neuer Strassen, Häfen und Flughäfen sowie Krankenhäuser und Schulen. Wenn es hart auf hart kommt, könnten sogar Sozialleistungen gekürzt werden, so Bredenhann.

Abhängig von Pipelines

Im krisengeschüttelten Sudan und Südsudan ist der Preisverfall zusätzlich vom politischen Konflikt überlagert. Seitdem der Südsudan, der den Grossteil der Ölfelder besitzt, Mitte 2011 Unabhängigkeit vom Sudan erlangte, der die Pipelines verwaltet, zahlt der Südsudan «Transitgebühren» in Höhe von umgerechnet 24,62 Franken pro Barrel - zusätzlich zu den Förderkosten. Bei einem Ölpreis von unter 33 Franken bedeutet das herbe Verluste.

Sollte sich Sudans Regierung nicht von einer Senkung der Gebühren überzeugen lassen, müsse der Südsudan seine Produktion einstellen, verkündete der südsudanesische Ölminister vergangene Woche einem Medienbericht zufolge. Das hätte drastische Folgen für beide Länder, warnen Experten.

«Ein Produktionstopp wäre für Südsudans Wirtschaft fatal. Auch für den Sudan würde der Verlust der Pipeline-Gebühren zu einem Haushaltsdefizit führen», so Ahmed Hassan El-Jack, Wirtschaftsprofessor an Sudans Universität zu Khartoum.

Minimale Profite

Nigeria befindet sich in ähnlichen Schwierigkeiten. Bei dem niedrigen Ölpreis sei die Profitspanne minimal, erklärte ein Projektleiter der Firma Frontier Oil, Alhaji Abdullahi Bukar, diese Woche einer Gruppe von Journalisten in der Hauptstadt Abuja. «Die Gefahr ist gross, dass Ölfelder stillgelegt werden müssen, bis der Preis wieder steigt», so Bukar.

Der Preisverfall bringt zahlreiche andere negative Entwicklungen mit sich: ein verschlechterter Konjunkturausblick, abgewertete Währungen, zögerliche ausländische Investoren und steigende Inflation. Zehntausende von Menschen haben ihre Arbeitsplätze verloren - nicht nur im Ölsektor, sondern auch in Zulieferindustrien.

Leere Hotelzimmer

In Angolas Hauptstadt Luanda, eine der teuersten Metropolen der Welt, stehen mittlerweile zahlreiche Zimmer in Luxushotels und für Ausländer angelegte Wohnkomplexe leer. Die für die Elite bestimmten Gourmet-Restaurants kämpfen um Gäste. «Die Zeiten hoher Gehälter und Zusatzleistungen sind vorbei», sagt Bredenhann.

Eins ist klar: es reicht nicht, auf einen neuen Boom zu warten. Afrikas Ölproduzenten müssen ihre Wirtschaften diversifizieren, um ihre Abhängigkeit vom Öl langfristig zu reduzieren, sagen Experten. Nigerias Präsident Muhammadu Buhari hat bereits angekündigt, das Land sei «keine Ölwirtschaft» mehr. Doch bislang ist das eher Wunschdenken als Realität.

(sda/chb)

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