Mitte Dezember hat die Weltgemeinschaft dem Klimawandel den Kampf angesagt: Gemäss dem Pariser Uno-Abkommen soll sich die globale Temperatur um nicht mehr als zwei Grad erwärmen. Das Ziel ist sportlich, denn der Klimawandel ist im vollen Gange – 2015 war das heisseste Jahr seit Menschengedenken.

Die Menschheit muss sich auf steigende Temperaturen und zahlreichere Naturkatastrophen einstellen. Und die UBS hat nun eine Bevölkerungsgruppe entdeckt, die besonders von der Klima-Bedrohung betroffen ist: der globale Mittelstand in den Städten.

Der Mittelstand ist unterversichert

Bereits jetzt lebt fast ein Viertel der Weltbevölkerung in den grossen Städten, und knapp die Hälfte der globale Wirtschaftsleistung wird dort erbracht. Leidet die Mittelschicht in den Zentren, hat dies direkte Auswirkungen auf die ganze Wirtschaft.

Wichtigster Besitz des Mittelstandes ist oft das Eigenheim – und Immobilien werden zunehmend durch das Wetterchaos in Mitleidenschaft gezogen. Beispielsweise führte ein einziger Sturm über Kopenhagen im Sommer 2011 zu Schäden von über 1 Milliarde Dollar. 

Wohnen wird teurer

Doch nur eine Minderheit der Hausbesitzer ist offenbar ausreichend versichert: In Asien, wo der Mittelstand besonders stark wächst, sind 91 Prozent der Wetterschäden nicht gedeckt. In den USA umfassen die Policen nur ein Drittel der Wetterschäden. Im weltweiten Schnitt sind 55 Prozent der Sturmschäden nicht versichert. Noch höher ist der ungedeckte Anteil bei Überschwemmungen und Erdbeben mit 86 beziehungsweise 90 Prozent.

Die zunehmende Gefahr durch Naturkatastrophen hat direkte Auswirkungen auf das Haushaltsbudget: Je stärker eine Grossstadt vom Klimawandel bedroht ist, desto mehr muss die Bevölkerung fürs Wohnen ausgeben. Dies liegt an höheren Kosten beispielsweise für Klimaanlagen oder Versicherungsprämien. In besonders gefährdeten Städten wie Los Angeles, Tokio oder Shanghai hat die Bevölkerung bereits jetzt überdurchschnittlich hohe Wohnkosten, wie die UBS herausgefunden hat. Entsprechend müssen diese Grossstädter bei anderen Ausgaben sparen.

Der Mittelstand fordert Lösungen ein

Für die UBS liegt in dieser Bedrohung des Mittelstands aber auch eine Chance: Denn diese Bevölkerungsschicht habe in der Regel einen grossen politischen Einfluss. «Sollte die Mittelschicht signifikant unter den Auswirkungen des Klimawandels zu leiden haben, wird eine Reaktion nicht ausbleiben», wird der Chefökonom der UBS-Investmentbank, Paul Donovan, zitiert. Die Politik werde Antworten liefern müssen.

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