Für eine Million Krankenversicherte in der Schweiz steigen im kommenden Jahr die Prämien um mehr als 10 Prozent. Das heisst: Jeder Achte zahlt deutlich mehr als vorher, wie Zahlen des Vergleichsdienstes Comparis zeigen. Da können viele Versicherte durch einen klugen Wechsel viel Geld sparen – einige Familien fast 15'000 Franken pro Jahr.

Die Prämien der Krankenkassen steigen 2016 im Durchschnitt um 4 Prozent, hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) berechnet. Der Berechnung zugrunde liegt das Standardmodell mit einer Franchise von 300 Franken.

Steigerung von 72 Prozent

Ein Blick auf alle Modelle und Lebenskonstellationen zeigt aber: Gewinne oder Verluste können im Einzelfall drastisch von den Durchschnittswerten abweichen. Darum ist die Analyse der persönlichen Situation so wichtig. «Viele Versicherte lassen sich von Durchschittswerten oder Aufschlägen irritieren – ohne zu schauen, was für sie persönlich die günstigste Variante ist», sagt Felix Schneuwly, Krankenkassenexperte von Comparis.

Ein Beispiel: Eltern, die ihre Kinder in Schwyz im Standardmodell bei der Krankenkasse Klug versichert sind, zahlen für den Nachwuchs 2016 gut 72 Prozent mehr als in diesem Jahr. Auch bei Kindern, die im Kanton Jura bei der Krankenkasse Aussura versichert sind, muss man sich auf einen Kostenanstieg um 38 Prozent einstellen. Dieses Mal allerdings, wenn sie das Hausarztmodell gewählt haben.

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Gleichzeitig werden aber auch die zehn stärksten Senkungen ausschliesslich bei Prämien für Kinder verbucht. Auch hier ist für die Ersparnis wiederum die individuelle Situation ausschlaggebend. So sparen Schweizer, die ihre Kinder im Tessin bei der Swica versichert haben, im kommenden Jahr 17 Prozent (siehe Bildergalerie oben).

Auf grössere Einsparungen können sich ansonsten vor allem Versicherte im Standardmodell freuen – im Hausarzt, HMO- oder Telmedmodell sinken die Prämien weniger. Allerdings sind die Prämien im Standardmodell grundsätzlich höher als bei den alternativen Varianten. 

Die absolute Prämie entscheidet

Dieser Punkt ist ein wichtiger vor der Entscheidung über den Wechsel. Relevant ist letztendlich ja nicht, ob die Krankenkasse im Durchschnitt mehr oder weniger kostet, sondern, ob der Versicherte mit seiner Kasse nach der Steigerung noch besser fährt als bei der Konkurrenz. «Assura zum Beispiel mag hohe Aufschläge haben in diesem Jahr», sagt Schneuwly. «Doch sie zählt in den meisten Kantonen noch zu den günstigsten Krankenkassen.»

Der einzelne Versicherte sollte sich darum folgende Fragen stellen: Ist das Standardmodell das richtige für mich oder bin ich bereit, die Arztwahl für günstigere Prämien einzuschränken? Welche Franchise ist für mich angemessen? Dabei empfiehlt Experte Schneuwly, entweder die höchste oder die niedrigste Franchise zu wählen und im zweiten Fall die ersparten Beiträge zur Seite zu legen, damit sie im Notfall zur Hand sind. 

Vergleich der Krankenkassen

Der letzte Schritt ist dann noch der Vergleich der Krankenkassen im eigenen Kanton, wobei der Versicherte für sich selbst abwägen muss, ob er seine Priorität allein auf den Preis oder auch auf das Angebot der jeweiligen Kasse setzt. Grundsätzlich gilt aber: Der Vergleich lohnt in vielen Fällen – vor allem Familien fahren nach einem Wechsel der Krankenkasse oft besser.

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