Die Frankenstärke hat viele Läden in der Schweiz zu Preissenkungen veranlasst. Und die Entwicklung ist noch nicht am Ende. Sowohl 2015 als auch 2016 erwartet die Schweizerische Nationalbank (SNB) eine negative Inflation – und somit sinkende Güterpreise.

Dass sich die Schweiz deshalb in einer gefährlichen Deflationsspirale befindet, glauben die meisten Ökonomen aber nicht. Das zeigt eine neue Umfrage der Wirtschaftsagentur Bloomberg. 12 von 19 befragten Experten sehen die Schweiz im Moment demnach noch nicht in einer Deflation.

Nur die Güterpreise sind am sinken

«Für eine Deflation müssten die Preise auf breiter Basis zurückgehen», sagt etwa Valentin Bissat, Ökonom beim Vermögensverwalter Mirabaud. «Nur die Güterpreise sind am sinken, während die Preise für Dienstleistung immer noch geringfügig ansteigen.»

Für eine Entwarnung ist es aber dennoch zu früh. 15 der befragten Experten sehen nämlich weiterhin ein mittleres oder hohes Risiko, dass die Deflation in der Schweiz noch kommt. Die SNB erwartet für 2015 eine negative Teuerung von minus 1,1 Prozent – das wäre die tiefste Inflationsrate seit 1950.

Billionen-Programm der EZB

Deflation schadet der Wirtschaft, weil sie die Leute dazu veranlassen kann, Käufe aufzuschieben, in der Erwartung, dass die Preise sinken werden. Im Extremfall wird so der Konsum völlig abgewürgt. In der Schweiz ist dies aber weiterhin sehr unwahrscheinlich, so die Experten.

Auch Europa hatte im März den vierten Monat in Folge eine negative Inflationsrate. Die Europäische Zentralbank (EZB), die wie die SNB für Preisstabilität sorgen muss, hat wegen der sinkenden Preise ein 1,1-Billionen-Euro-Programm gestartet. So sollen die Preise in der Eurozone wieder in Schwung gebracht werden.

Negative Inflation sogar gut für den Konsum

Für den Konsum in der Schweiz sind die sinkenden Preise indes für sich alleine kein ganz so grosses Problem. «Die Preise sinken wegen dem niedrigen Ölpreis und Wechselkursgewinnen», so Maxime Botteron, ein Credit-Suisse-Ökonom. «Diese Trends stützen den Privatkonsum», erklärt er gegenüber «Bloomberg».

Anzeige

Auch SNB-Chef Jordan hat nach der drastischen Senkung der Inflationserwartungen für die nächsten drei Jahre betont, dass negative Inflation nicht mit einer Deflationsspirale gleichzusetzen ist. Trotzdem versucht die SNB bis auf Weiteres unter anderem mit Negativzinsen, einer weiteren Stärkung des Frankens entgegenzuwirken.