Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist der wichtigste Gradmesser für die Leistung einer Volkswirtschaft. Es enthält den Wert aller erwirtschafteten Güter und Dienstleistungen eines Landes in einem bestimmten Zeitraum. Dazu gehören alle Wirtschaftsbereiche, der private Konsum, Investitionen, Export und Import sowie die Ausgaben des Staates.

Nun stellen die statistischen Ämter in ganz Europa die Berechnung auf Basis EU-weit vereinbarter Standards um. So werden Forschung und Entwicklung künftig als Investitionen und nicht mehr als Vorkosten eingerechnet. Und auch die Schattenwirtschaft wird in die Berechnung miteinfliessen.

Schweiz ergänzte BIP bereits 2012 um Schattenwirtschaft

Die Schweiz ergänzte ihr Bruttoinlandprodukt bereits 2012 um die Aktivitäten Schmuggel, Prostitution und Drogen. Die Revision erhöhte das Schweizer BIP um rund 4 Prozent.

Ab September wird die eidgenössische Statistik jedoch auch «einer umfassenden konzeptuellen und methodischen Revision unterzogen», wie das Bundesamt für Statistik (BFS) Mitte März bekannt gab. Die signifikanteste Änderung betreffen auch hier die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Diese werden in der Gesamtrechnung nun wie Investitionen betrachtet – und heben damit das BIP. Nach Schätzungen führt das zu einem Anstieg des Schweizer Bruttoinlandprodukt um rund 2,5 Prozent.

Schuldenquote sinkt automatisch

Auf EU-Ebene wird nach Eurostat-Schätzung die neue Berechnungsmethode eine Erhöhung des BIPs um zwei Prozent zur Folge haben. Die Zuwachsraten etwa im Quartalsvergleich ändern sich nicht, weil die Statistiker alle Daten bis in die 1960er-Jahre zurück überarbeiten und an die neuen Kriterien angleichen. Auch das Haushaltsdefizit von Staaten kann sich verändern.

Kritiker bemängeln, dass dies die Schuldenquote sinken lassen könnte. Eurostat hält dem entgegen, das Defizit sinke keineswegs automatisch, weil sich auch dessen Berechnung verändere. Verbindlich sind die neuen Vorgaben ab 1. September. Das Europäische Statistikamt Eurostat wird nach diesem Daten auf die neue Berechnung umstellen, das deutsche Statistikamt macht dies bereits jetzt.

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(sda/moh/chb)