Russlands Wirtschaft rutscht sich in einen gefährlichen Teufelskreis. Grund ist das darbende Ölgeschäft – das wohl wichtigste ökonomische Standbein des Landes. Nicht nur befinden sich die Ölpreise seit Monaten auf einer beispiellosen Talfahrt. Auch die westlichen Sanktionen im Zuge des Ukraine-Konflikts belasten die russischen Energiekonzerne schwer. Das Gebräu aus politischen und wirtschaftlichen Zutaten lässt das Land in einen Abwärtsstrudel geraten, aus dem es nur schwer entkommen kann.

Rund 40 Prozent von Russlands Einnahmen stammen aus dem Export von Öl. Der Preisverfall beim schwarzen Gold hat bereits ein milliardenschweres Loch in die Staatskasse gerissen. Für einen ausgeglichenen Haushalt rechnet Moskau mit einem Ölpreis von 104 Dollar pro Fass. Jeder Dollar unter diesem Wert bedeuten Milliardenverluste in der Staatskasse. Derzeit liegt der Preis für ein Barrel Öl der Marke Brent bei knapp 85 Dollar.

Rosneft beantragt 50 Milliarden Hilfe

Hinzu kommt der politische Druck aus dem Westen. USA und EU haben Sanktionen erlassen, um bei Russland Zugeständnisse im Ukraine-Konflikt zu erzwingen. Auf der schwarzen Liste der beiden Parteien stehen unter anderem Grosskonzerne. Auch der staatliche Ölriese Rosneft ist betroffen. Von westlichen Geldquellen ist er daher abgeschnitten.

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Diese Woche hat nun der Konzern bei der russischen Regierung Hilfe angefordert: Rosneft beantragt umgerechnet knapp 50 Milliarden Franken aus dem staatlichen Vermögensfonds. Mit der jetzigen finanziellen Situation könne das Tagesgeschäft kaum aufrecht gehalten werden, hiess es aus dem Umfeld des Unternehmens. Zudem werden in Kürze Schuldenrückzahlungen fällig. Die geplante Übernahme der Ölhandelssparte der US-Bank Morgan Stanley dürfte Rosneft zudem auf Eis legen.

Ölgelder speisen Hilfsfonds

Das Problem: Der Staatsfonds speist sich eigentlich aus Einnahmen des Ölgeschäft und soll das staatliche Rentensystem stützen – und nicht die Einzahler selbst. Derzeit hat der Hilfskorb ein Volumen von umgerechnet etwas weniger als 80 Milliarden Franken. Angezapft hatten den Fonds schon der Gasproduzent Novatek und die Bank VTB – ebenfalls wegen der Sanktionen.

Ob nun auch Rosneft an Geld kommt, ist bislang nicht bekannt. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings hoch. Rosneft-Chef Igor Setschin ist ein enger Vertrauter von Russlands Präsident Wladimir Putin. Dieser dürfte den milliardenschweren Konzern ohnehin nicht im Stich lassen. Dafür ist Rosneft für Russland zu wichtig.

Russland ins Mark getroffen

Das Beispiel Rosneft zeigt, dass die Sanktionen einen zentralen Nerv Russlands treffen: Die Rohstoffindustrie. Ölkonzerne benötigen Milliardensummen für Bohrungen, das Erkunden neuer Ölfelder oder den Bau von Pipelines. Wenn die Finanzierung für Rosneft immer teurer wird, dann fehlt zunehmend Geld für Bohrungen. Der Konzern kann somit weniger Öl fördern, was wiederum das Geld schwinden lässt. Ein Entrinnen aus diesem Teufelskreis gibt es kaum.

Der Rückgang bei den Einnahmen der Ölriesen ist für Russland aber nur ein Problem. Daneben belastet freilich der sinkende Ölpreis die Staatskasse. Doch Putin hat den von den Sanktionen betroffenen Unternehmen seine Unterstützung zugesprochen. Die Hilfsgelder werden jedoch immer knapper. Die Abwärtsspirale ist umso steiler, je tiefer der Ölpreis fällt.

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Russland sieht sich als Opfer eines Komplotts

Grund für den sinkenden Ölpreis ist unter anderem ein weltweites Überangebot des Rohstoffs. Schuld sind vor allem die USA, die mit der neuen und umstrittenen Fördermethode Fracking seit längerem den Markt mit billigem Öl fluten. Auch das zum Ölkartell Opec gehörende Saudi Arabien hält die Fördermenge hoch.

Das vom Ölexport abhängige Russland sieht sich denn auch als Opfer eines Komplotts zischen den USA und den Scheichs. Mit dem Überangebot wolle man bewusst die Nachfrage dämpfen und den Preis nach unten jagen, so der Vorwurf. Letzlich wollten die Parteien Russlands Wirtschaft aber auch die Regierung in die Knie zwingen.

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