Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Mem-Industrie) sieht sich einem rauheren Klima ausgesetzt. Auftragseingänge und Umsätze waren im vierten Quartal rückläufig, und die Aussichten haben sich verschlechtert. Der Branchenverband Swissmem verweist auf die schockartige Aufwertung des Schweizer Frankens, die schwache Konjunktur im Hauptmarkt Europa und auf die Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Bilateralen Verträgen und fordert Unterstützung von Politik und Sozialpartnern.

Spürbare Abkühlung

Im vierten Quartal 2014 gingen die Bestellungen in der Mem-Industrie um 1,8 Prozent zurück und die Umsätze um 2,4 Prozent. Übers Gesamtjahr gesehen resultierte zwar noch ein Plus von 4,9 Prozent beziehungsweise von 0,3 Prozent, dies war allerdings einzig auf das starke erste Semester zurückzuführen, wie der Verband Swissmem mitteilt. Im dritten und vierten Quartal erfolgte eine spürbare Abkühlung, auch wenn die Kapazitätsauslastung übers Gesamtjahr durchschnittlich bei 88,2 Prozent und damit etwas über dem langjährigen Mittel lag und im vierten Quartal mit 88,8 Prozent den höchsten Stand erreichte.

Breites Plus bei Exporten

Die MEM-Industrie exportierte 2014 Waren im Wert von 66,2 Milliarden Franken, was gegenüber dem Vorjahr einer Zunahme von 1,3 Prozent entspricht. Mit Ausnahme der Elektrotechnik-/Elektronik-Ausfuhren (-4,4 Prozent) erhöhten sich die Exporte gegenüber 2013 in sämtlichen Produktbereichen, am stärksten bei den Metallen (+3,2 Prozent), gefolgt vom Maschinenbau (+2,3 Prozent) und den Präzisionsinstrumenten (+0,2 Prozent).

Anzeige

Der mit Abstand dynamischste Absatzmarkt sei derzeit die USA, so Swissmem. Die Exporte dorthin nahmen im vierten Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode um 21,5 Prozent zu. Über das Gesamtjahr betrachtet liegt das Plus noch immer bei 7,8 Prozent. Die Ausfuhren nach Asien zogen 2014 um 6,1 Prozent an, während die Exporte in die EU stagnierten.

Werkplatz weniger attraktiv

Sorgenvoll zeigt sich der Branchenverband beim Blick in die Zukunft. Der Geschäftsentwicklung der Branche im zweiten Semester lege nahe, dass es auch ohne Aufhebung des Mindestkurses zum Euro zu einer Stagnationsphase gekommen wäre, schreibt Swissmem. Der Entscheid der SNB von Mitte Januar habe nun aber zu einem «teilweise massiven» Margeneinbruch geführt, und viele industrielle KMU seien wieder in die Verlustzone geraten.

Zuvor hätten es die Unternehmen seit 2011 geschafft, auf Basis eines verlässlichen Mindestkurses und mit Hilfe einer veritablen Fitnesskur, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Die positiven Effekte daraus hätten sich nach dem SNB-Entscheid aber wieder zerschlagen und der Kampf um die Konkurrenzfähigkeit oder gar um die Existenz beginne von neuem.

Gemäss der jüngsten Swissmem-Umfrage vom Januar zu den Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monaten rechnen entsprechend knapp 50 Prozent der Unternehmen mit rückläufigen Aufträgen aus dem Ausland. Die pessimistischen Rückmeldungen haben sich demzufolge gegenüber der Herbstumfrage beinahe verdreifacht.

Ernüchterung allenthalben

Das Fazit von Swissmem ist ernüchternd: Der Werkplatz Schweiz habe spürbar an Attraktivität eingebüsst, dies angesichts des starken Frankens, der schwachen Konjunktur im Hauptmarkt Europa, der Unsicherheit bezüglich der Zukunft der Bilateralen Verträge und der ungenügenden Anzahl an verfügbaren Fachkräften. Dies beeinflusse Investitionsentscheide und könne mittelfristig sichtbare Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen.

Starker Wunsch: Freihandel mit USA

«Wir fordern mit Nachdruck, dass auch die Politik und die Sozialpartner alles tun, um die Unternehmer im Kampf um die Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen und die Attraktivität des Werkplatzes Schweiz wieder zu verbessern», lässt sich Swissmem-Präsident Hans Hess in der Mitteilung zitieren. Die Unternehmen würden alles tun, um den erneuten Aufwertungsschock des Frankens einmal mehr zu absorbieren.

Anzeige

Konkret fordert Swissmem eine Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative in der Art, dass die Bilateralen Verträge und damit der diskriminierungsfreie Zugang zum wichtigsten Absatzmarkt erhalten bleiben. Ausserdem solle der Bundesrat ein Freihandelsabkommen mit den USA anstreben oder zumindest versuchen, sich an den Verhandlungen zwischen der EU und den USA zu beteiligen. Mit einem Exportanteil von gut 11 Prozent seien die USA der zweitwichtigste Markt der Branche.

Darüber hinaus sei es wichtig, dass die Unternehmen die bestehenden Spielräume des Gavs der MEM-Industrie nutzen könnten. Obstruktionsversuche einzelner Gewerkschaften würden einzig die Standortattraktivität des Werkplatzes verschlechtern. Im Gegenzug müssten die Firmen die notwendigen Massnahmen möglichst sozialverträglich umsetzen.

Anzeige

Weiter erwartet Swissmem, dass der Bund Massnahmen zur weiteren Innovationsförderung prüft. Eine Neuauflage des Programms von 2011 müsste aber primär die Bedürfnisse der Unternehmen erfüllen und sollte weniger bürokratisch ausgestaltet sein.

(sda/chb)