Brasilien muss in seinem Bemühen zur Stabilisierung der Wirtschaft einen schweren Rückschlag hinnehmen. Die Rating-Agentur S&P stufte die Kreditwürdigkeit der grössten Volkswirtschaft Lateinamerikas auf «Ramsch»-Status herab und schloss zudem eine weitere Verschlechterung nicht aus.

Die politischen Herausforderungen, vor denen Präsidentin Dilma Rousseff stehe, hätten zugenommen, hiess es zur Begründung. Rousseff versucht seit Monaten, das von einem Korruptionsskandal erschütterten Land aus der Rezession zu führen und ringt um das Vertrauen der Finanzmärkte.

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Weitere Herabstufung möglich

S&P nahm das Kreditrating auf «BB-plus von BBB-minus» zurück. Damit verliert das Land den Status «Investment-Grade», der für einige Investoren wichtig ist, weil sie nur Anleihen mit diesem Status erwerben beziehungsweise halten dürfen. Für Regierung und Unternehmen in Brasilien könnten sich neue Kredite nun verteuern, da Geldgeber oft für ein schlechteres Rating einen höheren Risikoaufschlag verlangen. Zugleich setzte S&P den Ausblick auf negativ und deutete damit die Möglichkeit einer weiteren Abstufung in naher Zukunft an. Beobachter erwarten, dass die Herabstufung die brasilianischen Finanzmärkte am Donnerstag hart treffen wird.

S&P hatte vor knapp zwei Monaten vor der Möglichkeit einer Herabstufung gewarnt. Es ist allerdings unüblich, dass eine Umsetzung dann schon so zeitnah kommt. Umgekehrt verdeutlicht es, wie schnell sich die Finanz- und Wirtschaftslage des Landes zuletzt verschlechtert hat. Das hat auch mit der Abschwächung der Konjunktur in China zu tun, dem grössten Exportmarkt für das lateinamerikanische Land. Bei den anderen beiden grossen Ratingagenturen - Fitch und Moody's - hat Brasilien noch den Status Investment-Grade.

Schwere Rezession

Finanzminister Joaquim Levy erklärte kurz nach der S&P-Mitteilung, die Regierung werde in den kommenden Wochen dem Kongress Einspar-Vorschläge unterbreiten, um im Haushalt 2016 einen Primärüberschuss - also ohne Berücksichtigung von Zinszahlungen - zu erreichen. Rousseff hatte noch im August ein Defizit für den Haushalt 2016 angekündigt.

Brasilien befindet sich in der schwersten Rezession seit einem Vierteljahrhundert. Zudem steckt der einstige Musterschüler unter den Entwicklungsländern in einer tiefen politischen Krise nach einem Bestechungsskandal beim staatlichen Ölkonzern Petrobras. Umfragen zufolge wollen zwei Drittel der Bürger, dass Rousseff geht - sie war erst vor einem Jahr für eine zweite Amtszeit von vier Jahren gewählt worden. 

(reuters/dbe/chb)