Die kleine US-amerikanische Ratingagentur Egan-Jones stuft die Kreditwürdigkeit Deutschlands schlechter ein. Wie die Agentur mitteilte, sinkt die Bonitätsnote um eine Stufe auf nunmehr «A». Das ist die sechsthöchste Note. Der Ausblick für das Rating ist negativ, es drohen also weitere Abstufungen.

Egan-Jones begründet seine Einschätzung insbesondere mit der Erwartung, dass Deutschland schwache europäische Banken künftig über indirekte Hilfszahlungen stützen müsse. Auch verweist die Agentur auf die hohen Forderungen der Bundesbank über das europäische Zahlungsverkehrssystem Target 2.

Angesichts der voraussichtlich schwach bleibenden globalen Konjunktur werde die Arbeitslosigkeit in Deutschland vermutlich steigen. Der aus Sicht von Egan-Jones starke Euro werde den deutschen Aussenhandel belasten und damit das Binnenwachstum dämpfen.

In den vergangenen Tagen hatten an den Finanzmärkten Gerüchte über eine bevorstehende Abstufung Deutschlands die Runde gemacht. Egan-Jones dürften dabei die wenigsten Beobachter auf dem Zettel gehabt haben. Das Unternehmen gilt als vergleichsweise kritische Ratingagentur. Ihre deutlich grösseren Wettbewerber Moddy's, Standard & Poor's und Fitch sowie die kleinere kanadische Agentur DBRS bewerten die Kreditwürdigkeit Deutschlands jeweils mit der Höchstnote Triple-«A».

Moody's unverändert

Moody's sieht Deutschlands hohe Kreditwürdigkeit durch die hohe Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und eine stabilitätsorientierte Politik der Regierung gerechtfertigt. In ihrem heute veröffentlichten jährlichen Bonitätsbericht behält die Agentur das «AAA»-Rating mit negativem Ausblick bei.

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Der Bonitätsbericht stelle keine Neubewertung der Kreditwürdigkeit dar, sondern sei nur eine Aktualisierung für die Märkte, heisst es. Im negativen Ausblick für die deutschen Staatsanleihen schlügen sich in erster Linie die Unsicherheiten durch die Schuldenkrise in der Euro-Zone nieder.

Belastet wird die Kreditwürdigkeit demnach zudem durch die Risiken, die Deutschland im Rahmen der Euro-Rettungspakete eingegangen ist.

(tno/awp/reuters)