Der frühere Chef der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand, und sein Vorgesetzter Larry Fink kritisieren in einem gemeinsamen Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» die Regulatoren und Notenbanken. Der Schweiz stellen sie hingegen ein gutes Zeugnis aus, während die Finanzexperten in Europa noch Nachholbedarf sehen.

Laut Blackrock-Gründer Larry Fink sind die Notenbanken dafür verantwortlich, dass Staatsanleihen unrentabel und riskant geworden sind. Die Regulatoren verhindern, dass beispielsweise Versicherungen anderswo investieren - und «schaffen mit ihren Vorschriften die nächste Krise», so das Asset-Management-Duo. Aufgrund dieser Entwicklung sieht Ex-Notenbanker Hildebrand nach den Staatsanleihen auch Gefahren bei den nun populär gewordenen Unternehmensanleihen. «Die Risiken angeblich risikoloser Anlagen sind ziemlich bedeutend geworden», meint Hildebrand dazu.

Unternehmen treiben eigene Aktien hoch

Die Ursache des aktuellen Börsenbooms orten Hildebrand und Fink vor allem bei den Unternehmen selbst. «Das durchschnittliche Unternehmen im amerikanischen Aktienindex S&P 500 hat derzeit über eine Milliarde US-Dollar an freien liquiden Mitteln.» Anstatt dieses Geld zu investieren, kaufen die Firmen eigene Aktien zurück - und befeuern damit die Hausse. Derzeit fehle noch das Vertrauen um wieder in die Wirtschaft zu investieren, das würde der amerikanischen Wirtschaft wieder Schwung verleihen, meint der frühere Präsident der SNB.

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Ebenfalls an Vertrauensmangel leidet das europäische Bankensystem. Dieses wieder herzustellen sei die grösste Herausforderung für Europa, diagnostiziert Philipp Hildebrand. Die Schweiz habe sich hingegen in die richtige Richtung bewegt. Die Schweizer Grossbanken «befinden sich im selben Lager wie die amerikanischen Banken», meint Hildebrand. «Das ist ein grosser Wettbewerbsvorteil für den Schweizer Finanzplatz.» Die Schweiz sei ein attraktives Land, ergänzt Larry Fink. Dass das Land den flexiblen Arbeitsmarkt beibehalte, sei derzeit das Wichtigste.

(jev/muv)