Der amerikanische Arbeitsmarkt hat sich im August weiter erholt, wenn auch etwas schwächer als in den Monaten zuvor. Nach Regierungszahlen vom Freitag ging die Arbeitslosenquote weiter zurück, während der Beschäftigungsaufbau solide ausfiel. Die Lohnentwicklung bleibt moderat, zeigt im Trend aber nach oben. Die Frage, die sich Analysten und Anleger stellen: Reicht das der US-Notenbank, um Mitte September die lang erwartete Zinswende zu vollziehen?

Der regelmässig stark beachtete Jobaufbau ging im August etwas langsamer von statten. Ausserhalb der Landwirtschaft kamen 173'000 Arbeitsplätze hinzu. Das waren 44’000 Stellen weniger als Experten erwartet hatten.

Kein «Beinbruch»

«Der Jobaufbau liegt zwar unterhalb der Marke von 200’000, doch es ist auch nicht der berühmte Beinbruch», kommentierte Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank. Hinzu kommt, dass der Zuwachs in den beiden Vormonaten um 44’000 Stellen nach oben korrigiert wurde. Dies entspricht genau der aktuellen Prognoseverfehlung, die damit weniger schwer ins Gewicht fällt.

Die Arbeitslosenquote ging derweil weiter um 0,2 Punkte zurück. Mit 5,1 Prozent liegt sie mittlerweile auf dem tiefsten Stand seit über sieben Jahren. Bankökonome hatten im Mittel eine Quote von 5,2 Prozent erwartet.

Höhere Stundenlöhne

Die Stundenlöhne zogen etwas an: Nach einem monatlichen Zuwachs um 0,2 Prozent im Juli betrug der Anstieg im August 0,3 Prozent. Im Jahresvergleich stiegen die Löhne um 2,2 Prozent. Das ist im längeren Vergleich ein allenfalls moderates Wachstum.

Was die Notenbank Fed aus den Zahlen macht, ist fraglich. «Der Arbeitsmarktbericht ist ziemlich gemischt ausgefallen und kann dafür verwendet werden, sowohl für als auch gegen eine Zinserhöhung zu plädieren», heisst es in einer Studie des Analysehauses Capital Economics.

China als Unsicherheitsfaktor

So befindet sich der Arbeitsmarkt einerseits weiter im Aufschwung, was für eine baldige Zinsanhebung spricht. Andererseits konnte der Stellenaufbau das Tempo der vergangenen Monate nicht halten.

Hinzu kommt eine grosse Ungewissheit im internationalen Kontext, vor allem wie sich die Börsenkrise in China entwickelt und welche Auswirkungen dies auf die Industrie- und Schwellenländer hat.

Was macht die Fed?

«Der im Vergleich zu den Vormonaten schwächere Arbeitsplatzaufbau dürfte im derzeit nervösen Umfeld für eine weitere Verschiebung der geplanten Zinserhöhung gut sein», sagte VP Bank-Ökonom Gitzel. Darüber hinaus bestehe wegen der nach wie vor geringen Inflation «kein Grund für zinspolitische Schnellschüsse».

«Vermutlich dürften sich die Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Kollegen wohler dabei fühlen, wenn vorerst alles beim Alten bleibt», sagte Gitzel.

Siebe Jahre Tiefstzinsen

Nach siebenjähriger, krisenbedingter Nullzinspolitik steuert die Federal Reserve auf eine erste Zinsanhebung nach der Finanzkrise zu. Galt lange Mitte 2015 als wahrscheinlichster Zeitpunkt, hatte sich der Termin im laufe des Jahres etwas nach hinten auf Mitte September verschoben.

Wegen der Börsenturbulenzen in China galt dieser Zeitpunkt zuletzt allerdings als weniger wahrscheinlich. Fed-Chefin Yellen hat aber zugesichert, noch in diesem Jahr die Zinswende zu wagen. «Eine weitere Verschiebung ins Jahr 2016 könnte eine Einbusse an Glaubwürdigkeit nach sich ziehen», warnte die VP Bank.

Starke Marktausschläge

An den Finanzmärkten sorgten die Jobdaten für starke Ausschläge, die aber nicht nachhaltig waren. Der Euro-Dollar-Kurs legte zunächst zu, fiel dann zurück und stand wenige Minuten nach Bekanntwerden der Daten wieder auf seinem Ausgangsniveau. Am amerikanischen Anleihemarkt hielten sich die Bewegungen in Grenzen.

(awp/mbü/hon)

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