Die Finanzämter vieler Staaten sind nach Einschätzung der OECD nicht ausreichend aufgestellt, um die Steuererklärungen von Reichen zu prüfen. Eine Studie der Industrieländerorganisation über die Steuerverwaltung in 56 Ländern kommt zu dem Schluss, dass nur ein Drittel von ihnen spezielle Abteilungen für wohlhabende Steuerzahler geschaffen haben. Die Autoren nannten dies überraschend, weil das Vermögen dieser Gruppe weltweit deutlich gewachsen sei.

Als reich gelten in dem Bericht Einzelpersonen mit einem Vermögen von mehr als einer Million US-Dollar. Schon 2009 hatte das OECD-Forum Steuerverwaltung solche Abteilungen empfohlen.

Spezielle Abteilungen für Grosskonzerne

17 der 56 untersuchten Industrie- und Schwellenländer verfügten Ende 2013 darüber, heisst es in dem in dieser Woche in Paris veröffentlichten Papier. Und nur in fünf Staaten – Australien, Griechenland, Indonesien, dem Vereinigten Königreich und den USA – verfügen die Einrichtungen auch über die Mittel, um «recht ansehnliche» Überprüfungen auszuführen.

Anders sieht die Lage bei grossen Unternehmen aus: Für deren Steuerangelegenheiten gibt es in 85 Prozent der Länder spezielle Fachabteilungen.

Komplexität fordert Extra-Einheit

Die Studie aus dem Jahr 2009 hatte die Schaffung von speziellen Abteilungen für Reiche unter anderem damit begründet, dass deren Steuerangelegenheiten häufig sehr komplex sind. Zudem gehe es um hohe Steuerbeträge. Die Autoren stellten das Thema damals auch in den Kontext des Kampfes gegen aggressive Strategien zur Steuervermeidung.

Viele Regierungen hatten in den vergangenen Jahren die Regeln gegen Steuerbetrug und Steuervermeidung verschärft. Mehr als 50 Staaten unterzeichneten ein Abkommen, mit dem sie sich ab 2017 zum automatischen Austausch von Informationen über Auslandskonten von Privatpersonen verpflichten.

Anzeige

(reuters/ise)