Die Aussicht auf ein «Nein» zu einer Loslösung Schottlands von Grossbritannien hat am Freitag weitere Anleger zu einem Einstieg ins Pfund Sterling ermuntert. Es stieg zeitweise auf 1,6524 Dollar. Gewinnmitnahmen liessen die Valuta aber wieder auf 1,6454 Dollar zurückfallen.

«Der Markt kann sich wieder den ökonomischen Themen des weiterhin vereinigten Königreichs widmen», kommentierte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann den Ausgang des schottischen Referendums. «Für Euro/Pfund heisst das wohl: Es geht weiter nach unten. Denn die Schere zwischen Bank of England- und EZB-Geldpolitik geht immer weiter auseinander.»

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Am Freitag fiel der Euro auf ein Zwei-Jahres-Tief von 0,7811 Pfund. Gegenüber dem Franken legte das Pfund auf 1,5379 zu, nachdem es am Vortag noch 1,5312 gekostet hatte.

Weniger Unsicherheit

Börsianer gehen davon aus, dass die britische Notenbank zum Jahreswechsel die Zinsen wieder anheben wird. Von den europäischen Währungshütern erwarten sie dagegen weitere Geldspritzen zur Ankurbelung der schwächelnden Konjunktur in der Euro-Zone.

Der Chef der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, hatte am Vortag gegenüber der «Tagesschau» von Schweizer Fernsehen SRF gesagt, dass eine Unabhängigkeit Schottlands die Unsicherheit über künftigen Entwicklungen vergrössern würde.

Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer zeigte sich erleichtert: «Den Briten und auch den Investoren ist sehr viel Unsicherheit erspart geblieben. Es hätte mindestens anderthalb Jahre lang grosse Diskussionen gegeben - etwa über die Währung oder über die Verteilung der Staatsschulden und Ölreserven.» Zudem bekämen die Befürworter eines Austritts Grossbritanniens aus der EU keinen weiteren Auftrieb.

Schweizer Börse fester erwartet

Das voraussichtliche Nein der Schotten zur Unabhängigkeit von Grossbritannien dürfte auch der Schweizer Börse am Freitag Auftrieb verleihen. Damit fällt ein schwerer Unsicherheitsfaktor weg, der die Märkte in den vergangenen Wochen gelähmt hatte. Für Hektik und anziehende Umsätze wird Händlern zufolge der «Hexensabbat» - der Quartalsverfall an der Terminbörse Eurex sorgen.

Die Bank Julius Bär berechnete den SMI vorbörslich um 0,2 Prozent höher mit 8847 Punkten. Der SMI Future notierte kurz nach Handelsstart um 0,3 Prozent fester mit 8851 Zählern. Am Vortag hatte der Leitindex um 0,1 Prozent zugelegt.

Öl leicht billiger

Die Ölpreise haben sich indes wenig verändert gezeigt. Sie gaben am Morgen nur leicht nach. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November kostete 97,60 US-Dollar. Das waren 10 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass US-Rohöl der Marke WTI zur Auslieferung im Oktober fiel um 16 Cent auf 92,91 Dollar.

«Bei den Ölpreisen zeigen sich erste Anzeichen einer Bodenbildung», sagte ein Marktbeobachter. Seit Anfang September waren die Preise kräftig gefallen. Die Lage an den Ölmärkten sei aber weiterhin nicht stabil, meinte der Experte.

(sda/gku/ama)