Beim Thema Schulden gehe es nicht allein um Griechenland und die Euro-Zone, sagte sie am Mittwoch bei ihrer Antritts-Pressekonferenz in der Zentrale des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington. "Es handelt sich um ein sehr breites Thema, das dringend betrachtet werden muss", meinte die Französin mit Blick auf Länder wie die USA und Japan.

Mit der 55-jährigen Lagarde steht erstmals eine Frau an der Spitze des IWF. Sie löst Dominique Strauss-Kahn ab, der wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetreten war.

Beratung über neue Hilfstranche für Griechen


Bereits an diesem Freitag werde die IWF-Spitze über die Bewilligung einer weiteren Tranche von Hilfsgeldern für Griechenland beraten, kündigte Lagarde an. Sie wollte sich jedoch nicht zu Einzelheiten äussern. Die Finanzminister der Euroländer hatten die Teilzahlung von 12 Milliarden Euro bereits am vergangenen Wochenende freigegeben.

Sie riet Griechenland allerdings, sich an Irland und Portugal zu orientieren. Dort hätten die politischen Parteien ihren Streit überwunden und sich auf Reformpläne geeinigt.

Lagarde, die bisher das französische Wirtschaftsministerium leitete, machte klar, dass sie die internen IWF-Reformen ihres Vorgängers fortsetzen wolle. "Einiges, was Strauss-Kahn begonnen hat, sind exzellente Reformen", sagte die 55-Jährige in geschliffenem Englisch. Erst im März ist beim IWF eine Stimmrechtsreform in Kraft getreten, das Schwellen- und Entwicklungsländern mehr Einfluss gibt. "Wir müssen die Reformen zu Ende bringen, die wir begonnen haben."

Arbeitslosigkeit im Fokus

Zwar sei die schwere Finanzkrise von 2008 überwunden, doch noch sei das Wachstum vor allen in den westlichen Industrieländern teilweise schwach und weltweit gesehen sehr unausgeglichen, sagte Lagarde weiter. Grundsätzlich meinte sie, der IWF dürfe sich keinesfalls ausschliesslich nur auf das Schuldenthema konzentrieren. "Arbeitslosigkeit ist ein kritisches Thema." Es gehe hier auch um den Zusammenhalt von Gesellschaften.

Allerdings vermied es Lagarde, auf Fragen nach dem Rechtsstreit um Strauss-Kahn Stellung zu nehmen. Sie liess sich lediglich vage über Unterschiede im amerikanischen und europäischen Rechtssystem aus.

Allerdings übte sie deutliche Kritik an den Medien. Für Angeklagte und Beschuldigte müsse bis zu einem Gerichtsurteil die Unschuldsvermutung gelten. "Es wäre eine Ehre für die Medien, dies ebenfalls zu respektieren." Ausdrücklich begrüsste sie es, dass sie sich nach den neuen IWF-Bedingungen wie alle IWF-Mitarbeiter an einem "Ethik-Training" beteiligen soll.

(rcv/awp)

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