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Positiv
Schwaches China? Diese Zahlen lassen hoffen

Börsencrash und Wachstumsschwäche: Viele Experten sehen derzeit schwarz für China. Auch wenn es Anlass zum Pessimismus gibt – einige wichtige Kennzahlen versprechen deutlich Besserung.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 19.01.2016

Optimistisch auf die chinesische Wirtschaft zu blicken mag derzeit widersinnig erscheinen. Zumal an dem Tag, an dem die Volkswirtschaft das schwächste BIP-Wachstum seit 25 Jahren verkündet hat. 6,9 Prozent Wirtschaftswachstum hat die Regierung heute Morgen gemeldet, so wenig wie zuletzt 1990.

Zumindest hat sich die Abnahme aber stabilisiert. «Bei den Daten zum Bruttoinlandsprodukt sind böse Überraschungen oder gar die gefürchtete harte Landung ausgeblieben», sagte Analyst Frederik Kunze von der NordLB.

Zunehmende Kreditvergabe

Einige wichtige Kennzahlen geben ausserdem Grund zur Hoffnung für China. Da ist zum Beispiel die Kreditvergabe. Im Jahresdurchschnitt ist diese zwar gesunken. Das Minus fällt allerdings in die erste Jahreshälfte. Von Juli bis Dezember wurden dagegen deutlich fast 11 Prozent mehr Kredite vergeben in Höhe von umgerechnet 278 Milliarden Franken. Diese zunehmende Liquidität veranlasst die Bantleon-Bank in ihrem Finanzmarkt-Monitor zur Prognose, die Impulse der Regierung gegenüber der Wirtschaft würden tatsächlich greifen. Als Anzeichen dafür werten viele Beobachter, dass China den Exportrückgang im Dezember bereits überraschend hat bremsen können.

Auch die Geldmenge ist um 15 Prozent im vierten Quartal gewachsen. Das ist der beste Wert seit fast fünf Jahren. Die Bantleon Bank schreibt: «Wir gehen davon aus, das sich dieser monetäre Impuls auch realwirtschaftlich bemerkbar gemacht hat.»

Dienstleistungssektor auf dem Vormarsch

Die aktuellen BIP-Zahlen bestätigen dies: Erstmals macht der Dienstleistungssektor mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung aus. Das spricht für den Wandel Chinas zum Industriesstaat, der vor allem durch Dienstleistung und Konsum Wachstum generiert. «Ein Blick auf die einzelnen BIP-Komponenten verdeutlicht die Transformation der chinesischen Wirtschaft hin zu einem mehr Konsum getriebenen Modell», sagte Experte Zhou Hao von der Commerzbank. Seiner Einschätzung nach hat der Konsum 2015 bereits zu zwei Drittel zum Gesamtwachstum beigetragen.

Die Nationale Statistikbehörde – deren Berichterstattung allerdings wiederholt wegen mangelnder Transparenz kritisiert wurde – meldet über das vergangene Jahr einen Konsum in Höhe von 30'093 Milliarden Yuan (4599 Milliarden Franken), das ist ein Plus von knapp 10,7 Prozent.

Der steigende Konsum ist demnach auch Folge eines wachsenden Haushaltseinkommens: Das BIP pro Kopf stieg auf 21'966 Yuan (rund 3350 Franken) im Jahr 2015. Das bedeutet einen nominalen Zuwachs von 8,9 Prozent. Real ist das Pro-Kopf-Einkommen um 7,4 Prozent gestiegen.

Der ländliche Raum holt auf

Dabei fällt auf: Der ländliche Raum entwickelt sich zum Besseren. Zwar sind die Unterschiede zur Stadt bei den Einnahmen nach wie vor riesig. Im urbanen Raum hatte ein Arbeitender vergangenes Jahr im Durchschnitt fast dreimal so viel Einkommen zu Verfügung.

Dafür aber hat die Bevölkerung jenseits der Metropolen in besonderem Masse von einem Kreditprogramm Gebrauch gemacht, das ihnen mehr Liquidität zur Verfügung stellt. Und der Konsum wächst dort schneller als in der Stadt. Im urbanen Raum betrug das Plus «nur» 10,5 Prozent, während es auf dem Land 11,7 Prozent waren.

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