Die schwedische Notenbank hat ihren Leitzins wegen der niedrigen Inflation erstmals auf Null Prozent gesenkt. Der Leitzins, zu dem sich die Kreditinstitute für eine Woche Zentralbankgeld beschaffen können, werde um 0,25 Punkte auf das Rekordtief von 0,0 Prozent reduziert, teilte die Reichsbank am Dienstag in Stockholm mit. Volkswirte hatten zuvor lediglich mit einer Verminderung auf 0,10 Prozent gerechnet.

Viele Ökonomen hatten auf eine kleinere Zinssenkung spekuliert, da die Konjunkturdaten zuletzt robust war und sich die Lage am Arbeitsmarkt verbesserte hatte. Dies sieht auch die Notenbank in ihrem Kommentar so. Allerdings sei die Inflationsrate zu niedrig.

Karolina Ekholm gilt als treibende Kraft

Für Karolina Ekholm dürfte die deutliche Zinssenkung einen späten Triumph bedeuten, zumindest aber die Bestätigung ihrer jahrelangen Arbeit. Seit 2009 sass die Wirtschaftsprofessorin im sechsköpfigen Rat der ältesten Zentralbank der Welt. Immer wieder betonte Ekholm den schwachen Preisauftrieb in Schweden. Die 49-Jährige dürfte entscheidend mitverantwortlich dafür gewesen sein, dass die Reichsbank den Leitzins bereits im Juli schon einmal drastisch senkte, seinerzeit um 0,5 Punkte auf 0,25 Prozent.

Erst vor einigen Tagen wurde bekannt, dass Ekholm per sofort ihr Amt als Vize-Präsidentin der Reichsbank niederlege und den wichtigsten Beraterposten in Schwedens Finanzministerium übernehme. Während Reichsbank-Präsident Stefan Ingves laut «Wall Street Journal» lange Zeit gegen die hohe Verschuldung der privaten Haushalte vorgehen wollte, betonte Ekholm zuletzt wiederholt die schwache Inflation. Deshalb galt Ekholm als die grösste geldpolitische Taube im geldpolitischen Rat der Reichsbank.

Inflation laut Reichsbank bis 2016 unter Ziel

Die Verbraucherpreise waren im September um 0,4 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat gefallen. Die Inflationsrate dürfte laut Reichsbank noch bis Juli 2016 unter dem Inflationsziel von 2,0 Prozent bleiben. Man werde den Leitzins erst anheben, wenn die Inflation deutlich anzieht. Laut Ökonomen will die Notenbank durch einen schwächeren Wechselkurs insbesondere zum Euro die Inflation stützen.

Der Euro legte nach der Entscheidung zur schwedischen Krone deutlich zu und stieg auf 9,3522 Kronen. Zuvor hatte der Euro noch bei 9,2473 Kronen notiert.

(moh, mit Material von sda)

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