Deutschland ist die treibende Kraft in der Eurozone. Lange als Exportnation kritisiert, treibt mittlerweile die starke Nachfrage im Lande den Aufschwung voran. Und doch, der deutschen Stärke zum Trotz, bleibt die Bundesrepublik hinter der Schweiz zurück: Das Land kann in Sachen Wettbwerbsfähigkeit nicht mithalten. Hier ist die Schweiz einsamer Spitzenreiter in Europa.

Die Schweiz ist – fast – das wettbewerbsfähigste Land der Welt. Nur die USA stehen im Vergleich der Business School IMD besser da, die jährlich 60 Ländern dazu untersucht. Der dynamische Arbeitsmarkt und der starke Binnenkonsum werden dabei als wichtigste Pluspunkte genannt.

Lob für hohe Lebensqualität und liberale Wirtschaft

Mit Platz 2 hält die Schweiz ihre Vorjahresplatzierung. Noch immer sind die Autoren der Studie voll des Lobes für die hohe Lebensqualität hierzulande, die wettbewerbsorientiere Mentalität der Bevölkerung und die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen an den Markt. Und doch fallen Schatten auf das glanzvolle Bild: Einige Faktoren erregen das Missfallen der Prüfer.

Zwar schafft es kein anderes Land Europas derart weit nach vorne. Platz 3 und 4 gehen an Hongkong und Singapur, zwei stark exportorientierte Länder mit hervorragendem Geschäftsklima, wie die Studie betont. Von den Ländern der Euro-Zone schafft es Deutschland als einziges unter die Top Ten. Allerdings kann sich die Bundesrepublik um drei Plätze verbessern und steht in diesem Jahr auf Rang 6. Das sehen die Autoren auch als wichtigen Impuls für die Schweiz, da Deutschland wie gehabt wichtigster Handelspartner ist.

Sorge bereiten dagegen andere Wettbewerbshemmnisse. Neben der Stärke des Franken bremst laut IMD-Ranking vor allem die zunehmende Rechtsunsicherheit in der Schweiz – begründet im Volksentscheid vom 9. Februar, die Zuwanderung zu begrenzen.  Dies habe bereits einen Rückgang der Investitionen zur Folge.

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Zunehmende Rechtsunsicherheit

Die IMD-Studie fasst damit Kritik zusammen, die seit der Volksabstimmung gegen Massenzuwanderung von vielen Seiten geäussert wurde. Logistiker Klaus-Michael Kühne erwog im Interview mit der «Welt am Sonntag» einen Teilabzug von Kühne + Nagel, weil die Schweiz «unberechenbar» geworden sei. Der Milliardenkonzern Weatherford machte – wie auch einige weitere Firmen – Nägel mit Köpfen und kehrte dem Standort Schweiz den Rücken.

Ob tatsächlich stets die zunehmende Rechtsunsicherheit die stärkste Motivation für einen solchen Schritt ist, sei dahingestellt. Doch von der Hand zu weisen ist die Kritik nicht – vor allem, weil die Beziehungen zur EU seit der Abstimmung nahezu brachliegen. Diesem Punkt gilt den auch die Hauptsorge der Studienautoren: Sie fürchten, dass ohne die Garantie der Personenfreizügigkeit die Schweiz nicht mehr attraktiv genug für hochqualifizierte Einwanderer sei. In diesem Teilbereich des Rankings fiel die Schweiz von Platz 5 auf Platz 16.

Deutschland zieht Hochqualifizierte an

Die Studienautoren mahnen, die Schweiz müsse hier die politischen Rahmenbedingungen in den Griff bekommen, wolle sie sich weiterhin gegenüber grösseren Volkswirtschaften behaupten. Eine angebrachte Kritik, so scheint es, angesichts von aktuellen Zahen der OECD. Diese belegen, dass Deutschland mittlerweile das beliebteste Einwanderungsland nach den USA ist.

Die Bundesrepublik, in der Volksparteien und Forschungsinstitute seit Jahren den Fachkräftemangel fürchten, ist laut OECD mittlerweile besonders anziehend für hochqualfizierte Zuwanderer. Und damit genau für die Gruppe an Migranten, gegenüber denen Schweizer Unternehmen nach dem 9. Februar um ihre Attraktivität fürchten.