Die Aufwertung des Frankens gefährdet auch die Renten von Schweizer Arbeitnehmern. Nach Berechnungen des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) wurden in den letzten 20 Monaten bei den Pensionskassen bis zu 50 Milliarden Franken vernichtet. Dies sagte SGB-Ökonom Daniel Lampart in einem Interview mit der Zeitung «Der Sonntag».

Er kritisierte auch die Pläne von Bundesrat Didier Burkhalter zur Senkung der Renten via Reduktion des Umwandlungssatzes als «nicht seriös begründet». Einmal mehr sei das Innendepartement «sehr salopp unterwegs, was die ökonomischen Grundlagen von wichtigen Sozialwerken angeht. Es fehlen Argumente, warum die Renditen in Zukunft sein sollen, wie sie momentan sind», sagte Lampart weiter. So würden die globale Inflation nicht berücksichtigt oder die steigenden Zinsen im Euroraum.

Untergrenze für Franken festlegen

Lampart plädierte dafür, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) eine Untergrenze für den Wechselkurs mit dem Euro festlegt. «Ich tendiere auf 1,40 Franken für 1 Euro», sagte er. Die Untergrenze müsse ökonomisch solide begründet sein.

Der Ökonom erinnerte daran, dass des SNB-Direktorium einen «konkreten Auftrag» habe. «Weigern sich die Direktoren, etwas gegen den starken Franken zu unternehmen, muss man das Nationalbankgesetz präzisieren.»

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Auch der Chef der UBS Schweiz, Lukas Gähwiler, forderte die SNB zu einem stärkeren Eingreifen auf. Diese müsse bereit sein, «mehrere hundert Milliarden Franken oder sogar mehr aufzuwerfen», sagte er im Interview mit der «SonntagsZeitung». Die SNB müsse dem «Markt unmissverständlich klar machen, dass sie eine weitere Aufwertung des Frankens nicht duldet».

Zudem brauche es eine Limite für den Euro bei 1,25 bis 1,30 Franken, sagte Gähwiler. «Wenn wir den Franken dem Markt überlassen, ist niedriges Wachstum oder gar Rezession die Folge.»

Jaeger: SNB kann nicht viel tun

Diesen Einschätzungen widerspricht Franz Jaeger, Professor an der Hochschule St. Gallen. In einem Gastbeitrag in «Der Sonntag» schreibt der Professor für Wirtschaftspolitik, da die Frankenstärke nicht hausgemacht sei, könne die Schweiz selbst wenig tun.

Die Frankenkrise werde «verursacht durch die Schwäche zweier wirtschaftlicher Weltmächte. Die Krisentreiber liegen somit weitestgehend ausserhalb jeglicher Reichweite schweizerischer Wirtschafts- und Währungspolitik.» Gemeint sind der Euroraum und die USA.

Die SNB könne angesichts der Grössenverhältnisse nichts anderes tun, «als den durch Spekulation, Angst und Panik ausgelösten Aufwertungsabsurditäten die Spitze zu brechen.» Von den fairen Kaufparitätskursen des Frankens von etwa 1,40 Franken zum Euro und 1,50 Franken zum Dollar weiche der Marktwechselkurs des Franken in «geradezu obszöner Weise» ab.

Es liege jetzt am Bundesrat, «alles zu tun, um die frankenabwertenden Geld- und Kapitalwegflüsse via Kapitalverkehrsbilanz massiv zu verstärken», schrieb Jaeger.

Maurer gegen kurzfristige Interventionen

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Bundesrat Ueli Maurer sprach sich gegenüber «Der Sonntag» gegen kurzfristige Interventionen aus. Angesprochen auf das Massnahmenpaket gegen den starken Franken, das Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann am kommenden Mittwoch im Bundesrat einbringen will, sagte Maurer, er sei gegenüber kurzfristigen Massnahmen skeptisch.

«Kurzfristige Massnahmen kosten in der Regel, und man muss sie später wieder bezahlen», sagte Maurer. «Wir sollten nicht den Fehler begehen, zu stark zu intervenieren.» Derzeit stünden die Massnahmen der Nationalbank im Vordergrund.

Die Schweiz habe aber «eine neue Situation». Die durch die Verschuldung der Länder verursachten Kursstürze werde die Schweiz noch «über Jahre hinweg beschäftigen», fügte der SVP-Bundesrat an.

(cms/sda)