Es ist ein trauriges Bild am Place de Bel-Air in Genf: Der frühere Konzernsitz der Privatbank von Lloyds steht seit dem Verkauf leer. Das ist mittlerweile drei Jahre her. Die schmutzblinden Fenster stehen für eine harte Realititä: die grossen Namen kehren dem Finanzplatz Genf den Rücken.

Wo früher millionenschwere Kunden ein und aus gingen, verschliessen heute Stahltore den Eingang der leeren Lloyds-Büros. Das ist kein Einzelfall. US-Banken und europäische Geldhäuser ziehen sich aus Genf zurück: Sie veräussern das mittlerweile unprofitable Geschäft der Vermögensverwaltung an die wenigen grossen, alteingesessenen Privatbanken. Von Merrill Lynch übernahm die Sparte Julius Bär. Die Royal Bank of Canada überliess ihre Genfgeschäfte der lokalen Bank Syz.

Morgan Stanley verkaufte die Schweizer Vermögensverwaltung, die ebenfalls in Genf stationiert waren, an die Privatbank des Milliardärs Joseph Safra. Und Goldman Sachs plant derzeit, die Genfer Dependance mit 18 Mitarbeitern zu schliessen, so eine mit der Sache betraute Person gegenüber «Bloomberg».

Einnahmen im Kanton Genf schrumpfen

Der Rückzug der Banken erfolgt nicht ohne Grund: ein immer stärker beschnittenes Schweizer Bankgeheimnis, ein (zu) starker Schweizer Franken und nicht zuletzt ein Profitabilitätsdruck trotz niedriger Zinsen und härteren regulatorischen Anforderungen belasten. Dazu kommen noch Steueruntersuchungen durch die USA und Frankreich und der automatische Informationsaustausch.

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EY-Partner Stéphane Muller sieht darum für die Zukunft des Finanzplatzes Genf wenig Hoffnung: «Jeder hier erwartet, dass die Zahl der Banken weiter abnehmen wird. Glücklicherweise sind einige der lokalen Privatbanken in Familienhand nach wie vor interessiert an Auf- und Zukäufen». Für den Genfer Kanton ist die Entwicklung fatal: Das Bruttoinlandprodukt speist sich zu 17 Prozent aus der Branche der Finanzdienstleister, wie das ortsansässige Geneva Financial Center aufzeigt. Diese Einnahmen sind stark gefährdet, seit die Zahl der Banken 2015 auf 119 von ehemals 140 im Jahr 2008 geschrumpft ist. Zeitgleich sank in den letzten drei Jahren auch die Belegschaft um etwa 9 Prozent.

Hotels rüsten um

Einschnitte sind auch in der Hotelbranche spürbar, denn die Hotelauslastung in Genf ist eng mit der Finanzbranche zusammen. Im Fünfsternehotel Grand Hotel Kempinski machen Banker inzwischen nur noch ein Viertel aller Firmenübernachtungen aus. Das sind halb soviele wie noch vor 18 Monaten. Entsprechend fielen auch die Zimmerpreise für Geschäftskunden um 10 Prozent, wie Generaldirektor Thierry Lavalley in einem Interview bestätigte. «Die Leute kommen heute nicht mehr nach Genf, um ihre Bankkonten zu checken», sagt Lavalley. «Es gibt also weniger Geschäftsreisen». Stattdessen konzentrieren sich die Hotels nun mehr auf Buchungen von Diplomaten und Teilnehmerns von Konferenzen in der Stadt.

Auf der anderen Seite des Rhone Flusses stehen die leeren ehemaligen Büroräume von Coutts International, eine von UBP im vergangenen Jahr acquirierte Firma, die davor zur Royal Bank of Scotland gehörte. Wer die leeren Räume anmieten wisst, ist noch nicht bekannt. Es werde aber keine Bank sein, sagt die mit der Vermietung beauftrage Firma Reginato.