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Aufschwung schwächt sich langsam ab

Baustelle beim HB Zürich: Gefahr einer Überhitzung der Immobilienmärkte. (Bild: Keystone)

Economiesuisse zeigt sich für das laufende Jahr «vorsichtig optimistisch». Für 2012 erwartet der Verband ein langsameres Wachstum. Probleme ortet er beim starken Franken und bei der Überhitzung region

Veröffentlicht am 09.06.2011

Der Schweizer Wirtschaftsdachverband Economiesuisse zeigt sich im konjunkturellen Ausblick für die Schweiz «vorsichtig optimistisch». Der Verband hat die BIP-Prognosen für das laufende Jahr leicht nach oben revidiert. So wird mit einem BIP-Zuwachs von neu 2,1 Prozent gerechnet, nach 2,0 Prozent in der Prognose von Dezember 2010. 2012 soll die Wirtschaft um 1,7 Prozent wachsen. Zudem werden leicht sinkende Arbeitslosenzahlen erwartet.

Für die Exportwirtschaft stelle vor allem der anhaltend starke Franken ein ernsthaftes Problem dar, teilt der Verband mit. Dies werde die Deindustrialisierung der Schweiz längerfristig fördern. Hingegen sei der Binnenmarkt erfreulich robust, und auch die Inflation bleibe für dieses und nächstes Jahr tief.

Die Binnenkonjunktur wachse robust, der private Konsum und Bau würden sich kontinuierlich ausweiten und von günstigen Zinsen, sinkenden Arbeitslosenzahlen und der Nettoimmigration profitieren, heisst es weiter. Für den privaten und öffentlichen Konsum werden 2011 Zuwachsraten um 1,4 Prozent bzw. 1,3 Prozent prognostiziert, die sich 2012 auf 1,2 Prozent bzw. 0,8 Prozent abschwächen sollten.

Überhitzungsgefahr  im Immoblienmarkt

In einigen Regionen der Schweiz besteht gemäss Economiesuisse eine Überhitzungstendenz der Immobilienmärkte. Dies sei ein klares Anzeichen dafür, dass das Angebot nicht mit der erhöhten Nachfrage Schritt halten könne. Die Bauinvestitionen dürften gemäss den Schätzungen des Verbandes 2011 noch um 2,5 Prozent und 2012 um 2,1 Prozent wachsen. Ein anderes Bild zeigt sich bei den Ausrüstungsinvestitionen, die dieses Jahr um 3,6 Prozent und kommendes Jahr um 4,1 Prozent zunehmen dürften.

Die Exportdynamik schwäche sich mit dem Ausklingen des Aufholprozesses nach der Krise ab. So sollen die Exporte im laufenden Jahr noch um 5,6 Prozent steigen, während für 2012 eine Abschwächung der Zuwachsrate auf 2,9 Prozent erwartet wird. Auch die Importzuwachsraten dürften sich abschwächen, von +5,2 Prozent im 2011 auf +3,2 Prozent in 2012.

Nur geringe Inflationsgefahr

Trotz guter Binnenkonjunktur sei die Inflationsrate aber insgesamt nach wie vor tief. Tiefere Importpreise würden den Preisauftrieb merklich dämpfen und die Kaufkraft der Schweizer Bevölkerung im internationalen Vergleich erhöhen. Hingegen bekämen Export- und Tourismuswirtschaft die Kehrseite des harten Frankens zu spüren. Für das laufende Jahr prognostiziert Economiesuisse eine Inflationsrate von 0,9 Prozent und für 2012 von 1,2 Prozent.

Die Schweizer Wirtschaft behaupte sich in einem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld, heisst es weiter. Obwohl der Euro in den letzten zwölf Monaten um weitere 14 Prozent gefallen ist und sich auch die Dollarschwäche akzentuiert habe, seien die Warenexporte in den ersten vier Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr nominell um 4,6 Prozent und real um 11,4 Prozent gestiegen. Die grösste Exportbranche, die chemisch-pharmazeutische Industrie, habe im gleichen Zeitraum allerdings einen Rückschlag von 3,8 Prozent hinnehmen müssen.

Starker Franken bleibt problematisch

Diese Zahlen würden erstaunen und den falschen Eindruck vermitteln, dass die Frankenstärke kein ernsthaftes Problem für die Exportindustrie darstelle, so die Mitteilung weiter. Tatsächlich seien die exportierenden Unternehmen stark gefordert. Sie nähmen Margenkürzungen in Kauf, bezögen vermehrt Vorleistungen aus dem Ausland oder würden ihre Kosten durch Rationalisierungen senken.

Aufgrund der Spezialisierung der Industrie seien teilweise aber auch Preiserhöhungen durchsetzbar, heisst es. Diese Strategie ist gemäss Economiesuisse aber langfristig mit Risiken verbunden, da es bei höheren Preisen für Konkurrenten attraktiver wird, selbst Nischenmärkte anzugreifen.

Die Exportzahlen seien darüber hinaus aber vor allem wegen der starken Nachfrage in den neuen Märkten und in den dynamischen Volkswirtschaften der Industrieländer - allen voran Deutschland - positiv. Während die Warenexporte in die Europäische Union in den ersten vier Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um lediglich 1,5 Prozent gewachsen seien, hätten sich die Exporte nach Asien - trotz des Einbruchs in Japan - insgesamt um 13,7 Prozent erhöht.

Hier zeigt sich gemäss dem Verband eine wesentliche Stärke der Schweizer Wirtschaft. Sie sei dank ihrer Globalisierungsstrategie in der Lage, das Wachstum dort mitzunehmen, wo es anfällt. Die weltwirtschaftliche Gewichtsverschiebung Richtung Asien beeinflusse dementsprechend die Struktur der Schweizer Exporte. Noch vor der Krise im Jahr 2008 betrug der Exportanteil in die EU (Januar bis April) 63,5 Prozent. Während dieser Anteil sich aktuell noch auf 58,3 Prozent belaufe, würden die Warenexporte der Schweizer Wirtschaft nach Asien bereits 21,1 Prozent ausmachen.

(rcv/cms/awp)

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