Die Abkühlung der Konjunktur in Europa, den USA und China trübt das Klima auch in der Schweiz. Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco senkt die Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 1,4 auf neu 1 Prozent. Die Exportwirtschaft und ihre Zulieferer haben dank der Kursuntergrenze der Nationalbank von 1.20 Franken pro Euro Planungssicherheit gewonnen. Aber sie leiden und kämpfen um ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Viele Unternehmen wälzen Pläne für die Verlagerung von Teilen der Produktion ins Ausland. Der Trend ist nicht neu, doch die Frankenstärke verleiht dem Offshoring Schub. In der Bevölkerung hat es einen schlechten Ruf. Wo Menschen Angst vor Arbeitslosigkeit und Deindustrialisierung haben, gehört Offshoring zu den üblichen Verdächtigen.

Mehr Jobs dank Offshoring, aber Folgen für die Löhne

Doch die Befürchtungen der Bevölkerung werden durch wissenschaftliche Untersuchungen widerlegt. Offshoring hat mehrheitlich sogar positive Wirkungen auf die Beschäftigung. Vor allem über die Steigerung von Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit resultiert in der Regel auch ein Stellenwachstum im Heimmarkt. Wo negative Beschäftigungswirkungen gemessen werden, bleibt das Ausmass gering. Das gilt auch für die Dienstleistungsbranche oder für Jobs in Forschung und Entwicklung, wie neuere Studien zeigen.  

Problematisch können die Folgen für bestimmte Arbeitnehmer und deren Löhne trotzdem sein. Offshoring verstärkt in der Regel den Trend zugunsten der hochqualifizierten Angestellten und steigert deren Löhne. Die schlecht-, zum Teil auch die mittelqualifizierten Arbeitskräfte sind dagegen oft Verlierer dieses Prozesses. Eine funktionierende Arbeitslosenunterstützung und vor allem die Verbesserung des Bildungsniveaus, die Pflege und Weiterentwicklung der Berufslehre bleiben deshalb sehr wichtig für die Schweiz.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die bisherigen Erfahrungen mit dem Strukturwandel in der Schweiz bieten jedoch keine Grundlage für politische Massnahmen gegen das Offshoring, zum Schutz von Branchen gegenüber ausländischer Konkurrenz oder für andere Handelsbeschränkungen.

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Wer die Erfolgsgeschichte der Schweiz fortschreiben will, muss dagegen die besonderen Stärken und Eigenheiten des Systems schützen und pflegen: Offenheit, Föderalismus, Selbstverantwortung, Zurückhaltung bei der Regulierung.

Gefahren für das Erfolgsmodell Schweiz

Die Verlängerung des Gentech-Moratoriums trotz erdrückender wissenschaftlicher Beweislage ist ein beunruhigendes Signal für den Forschungsplatz Schweiz. Die Tendenz zur Regulierung des Arbeitsmarkts über alle regionalen und branchenspezifischen Unterschiede hinweg gefährdet dessen Leistungsfähigkeit und damit genau das, was ihn gegenüber dem europäischen Umland so überlegen gemacht hat.

Mit der SVP-Initiative gegen die Personenfreizügigkeit, der Mindestlohninitiative der -Gewerkschaften und der Höchstlohninitiative der Jungsozialisten rollen weitere Angriffe auf das Erfolgsmodell Schweiz zu.

Die Politik kann den Standort und die -Arbeitsplätze am ehesten sichern, wenn sie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessert oder zumindest nicht verschlechtert. Dazu gehören tiefe Steuern und Abgaben für alle -Unternehmen, Verzicht auf Subventionen für spezielle Branchen oder anzulockende Firmen, Investitionen in Bildung und Forschung, Ausbau des Freihandelsnetzes, Beibehaltung der Personenfreizügigkeit und der Arbeitsmarkt-flexibilität.

Die Unternehmen haben mit der Frankenstärke und der konjunkturellen Abkühlung schon genug zu kämpfen.