Vertreter von drei Industriefirmen trafen sich vor kurzem beim Exportförderer Osec in Zürich. Sie beklagten sich über die ­verheerenden Auswirkungen des starken Frankens. Margen und Gewinne schrumpften dramatisch. Probleme bereiten den im Export tätigen Firmen vor allem Schweizer Zulieferer, deren Schrauben, Bleche und Kabel zu teuer seien.

Die gesamte Schweizer Exportindus­trie sucht derzeit verzweifelt nach günstigeren Alternativen im Ausland. Hier setzen die Osec-Berater an. Sie vermitteln Lieferanten jenseits der Grenze, die ihre Preise meist in Euro verrechnen. «Wir helfen Firmen bei ihrer Suche nach neuen Zulieferern, wenn sie an uns herantreten», bestätigt Sprecher Patrick Djizmedjian.

Doch die neue Dienstleistung des halbstaatlichen Wirtschaftsförderers stösst auf heftigen Widerstand. «Es kann nicht Aufgabe der Osec sein, Konkurrenz ins Inland zu holen», sagt Hans-Ulrich Bigler, Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes. «Wir verfolgen keine protek­tionistische Politik, aber es darf nicht sein, dass die Osec den schleichenden Niedergang von Schweizer Zulieferern beschleunigt.» Der Wirtschaftsförderer entgegnet, man bewerbe das Angebot «nicht aktiv». Bei jedem Beratungsgespräch stehe der Erhalt des Werkplatzes im Zentrum.

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Trotzdem herrscht quer durch alle Parteien Unverständnis. «Das ist eine unschöne Geschichte», sagt der St. Galler FDP-Nationalrat Walter Müller. «Das gehört nicht zum Job der Osec.» Beim grünen Luzerner Nationalrat Louis Schelbert heisst es: «Das kann nicht der Auftrag der Osec sein.» Sein Zürcher SVP-Kollege Hans Rutschmann erläutert: «Die Zulieferer sind ohnehin die Letzten im Umzug. Es ist doppelt schlecht und kontraproduktiv, wenn man das Auslagern mit halbstaat­lichen Organisationen fördert.»

«Die Anliegen der Firmen haben sich komplett verändert»

Erst im September hatte das Parlament das Budget der Osec-Berater mit Steuergeldern auf 84 Millionen Franken aufgestockt, damit sie Firmen bei ihrer Expan­sion im Ausland beistehen können. Doch heute liegen die Prioritäten anderswo.

«Die Anliegen der Firmen haben sich komplett verändert», bestätigte kürzlich Osec-Chef Daniel Küng. Früher wollten die Betriebe wissen, wie sie ihre Güter im Ausland absetzen können. Heute fragen sie nach Kontakten zu ausländischen Zulieferern. Komponenten, die sie bisher in der Schweiz gekauft haben, wollen die Unternehmen neu im Euro-Raum beziehen. Die Osec hat inzwischen umgestellt. Auf der Homepage macht sie ihre Berater-Dienstleistung bekannt, und das Firmentreffen von vorletzter Woche war nicht das erste seiner Art.

Die Osec mit ihrem Hauptsitz in Zürich greift bei ihren Beratungen auf ihr grosses internationales Netzwerk zurück. «Die Suche nach einem geeigneten Lieferanten geschieht oft in Zusammenarbeit mit dem Swiss Business Hub im entsprechenden Land», erläutert Djizmedjian.

Neben den 100 Mitarbeitern in der Schweiz beschäftigt die Osec 80 Wirtschaftsexperten, die weltweit für die 18 Business Hubs tätig sind. «Wir geben Anfragen aber auch an international tätige Berater weiter.» Beratungen dieser Art ­seien dann kostenpflichtig und gehörten nicht zum Service Public.