Belgien steht seit dem Carunfall mit 28 Toten vom Dienstagabend in Siders unter Schock. Eltern und Mitschüler lagen sich am Mittwoch in Lommel und Heverlee weinend in den Armen. Premier und König versuchten das Unfassbare in Worte zu fassen.

Es waren ergreifende Szenen, welche sich in den beiden flämischen Gemeinden abspielten, in denen die verunfallten Kinder und Lehrkräfte zur Schule gingen. Eltern, Schüler und Schuldirektoren versuchten sich gegenseitig Trost zu spenden. Das Schwierigste sei die Unsicherheit, sagten mehrere Familienangehörige gegenüber den flämischen und französischsprachigen Fernseh- und Radioanstalten, die ununterbrochen Sondersendungen schalteten. Viele Angehörige wussten nicht, ob sich ihre Tochter, ihr Sohn oder Bruder unter den Toten oder Verletzten befand.

Achterbahn der Gefühle

Und so fuhren die Gefühle mit den Angehörigen Achterbahn an diesem schlimmen Mittwochmorgen. Die einen kriegten einen Anruf ihrer verletzten Tochter oder ihres verletzten Sohnes und «weinten vor Glück», wie ein Schuldirektor erklärte. Andere wussten beim Abflug vom Militärflugplatz in Melsbroek nicht, ob ihr Kind noch am Leben ist.

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Er hoffe, dass die Opfer «schnell» identifiziert würden, damit die Unsicherheit ein Ende habe, sagte der niederländische Premier Mark Rutte. In der 52-köpfigen Reisegruppe befanden sich auch neun niederländische Kinder, welche im belgischen Lommel, nahe der niederländischen Grenze, zur Schule gingen.

Ein «zutiefst schockierter» König Albert II. unterbrach seinen Besuch in einer Schule in Aalst, um zum Militärflugplatz Melsbroek zu reisen und dort den Familien vor dem Abflug in die Schweiz sein Beileid auszudrücken. Premierminister Elio Di Rupo sprach nach dem Unfall mit 28 Toten von einem «sehr traurigen Tag» für Belgien.

Zeit der Gesten

Und weil oft die Worte fehlten, besannen sich viele Belgier auf Taten und Gesten. Am Eingangstor zur Primarschule in Heverlee bei Brüssel legten Erwachsene und Kinder Blumen nieder, viele von Hand gezeichnete Karten wurden ans Tor gehängt. Teils wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt.

«Es ist die Zeit der Gesten, nicht der Worte», sagte der sichtlich bewegte Erzbischof von Brüssel, André-Joseph Léonard. Er begab sich noch am Morgen zur Schule, in der er erst im Februar die Messe mit allen Schülerinnen und Schüler gefeiert habe. Auch er erwähnte die schwierige Situation der Eltern, die noch keine Informationen über das Schicksal ihrer Kinder erhalten hätten.

Die beiden betroffenen Schulen und Gemeinden setzten Krisenstäbe ein und zählten auf die Hilfe von Psychologen. Er gehe davon aus, sagte der belgische Aussenminister Didier Reynders, dass die Angehörigen «noch auf lange Zeit» psychologische Begleitung benötigen würden.

Drama berührt alle

So wurden die Angehörigen auch auf ihrem Flug in die Schweiz von Militärpsychologen und weiteren Care-Teams betreut. Die teils heftige Reaktion der Leute erkläre sich durch den «riesigen und sehr dramatischen Charakter des Unfalls, der alle berührt, besonders Eltern», sagte der Psychologe Jérôme Vermeulen gegenüber der belgischen Nachrichtenagentur Belga.

(vst/muv/sda)