Ungeachtet des überbewerteten Frankens können Schweizer Exporteure auf einen erfolgreichen Sommer hoffen. Die Nachfrage aus dem Ausland nach Swissmade-Produkten ist hoch wie lange nicht. Darauf deutet das heute veröffentlichte Exportbarometer der Credit Suisse in Zusammenarbeit mit dem Exportförderer Switzerland Global Enterprise. Der aktuelle Wert von 2.3 Punkten ist demnach nur «unwesentlich tiefer als zum höchsten Zeitpunkt» der vergangenen zehn Jahre. «Momentan spricht kaum etwas dafür, dass das positive Momentum nachlässt», sagt CS-Ökonom Sascha Jucker.

Die positive Entwicklung ist demnach vor allem den beiden wichtigsten Exportmärkten zu verdanken: Sowohl in Deutschland als auch in den USA deuten Umfragen auf eine deutliche Erholung der Konjunktur, wovon die exportorientierte Schweizer Wirtschaft profitieren dürfte. So veranschlagt die Credit Suisse ein Exportplus von 4,5 Prozent in diesem Jahr gegenüber 2016: Damit würden die Ausfuhren mehr als doppelt so stark wachsen wie die Schweizer Gesamtwirtschaft.

Einmal mehr ist damit der Handel mit dem Ausland die wichtigste Stütze der Erholung: Schon im vergangenen Jahr legten die Ausfuhren um 4,4 Prozent und damit deutlich zu.

Zeichen stehen auf Wachstum in der Schweizer Wirtschaft

Zwar ist nicht garantiert, dass die vom Exportbarometer angedeutete hohe Nachfrage aus dem Ausland sich automatisch in steigenden Schweizer Exporten niederschlägt. Wegen des starken Frankens stiegen die Verkäufe ins Ausland etwa 2015 kaum, obwohl der Indikator seinerzeit auf Wachstum deutete. Doch diese Gefahr scheint gemäss Credit Suisse heute deutlich kleiner – vor allem, weil der Franken in der Zwischenzeit gegenüber anderen Währungen schwächer geworden ist.

Selbstverständlich profitieren jedoch nicht alle Branchen gleichermassen: Unbeeindruckt zeigte sich zuletzt die chemisch-pharmazeutische Industrie von Wechselkursschwankungen und der globale Konjunkturlage. Unter den Maschinenbauern indes haben vor allem kleine und mittlere Unternehmen mit dem noch immer überbewerteten Franken zu kämpfen. Hoffnung gibt es in der Uhrenindustrie, wo sich seit Monaten bereits eine kleine Erholung andeutet. Mehr Klarheit bringen in dieser Woche neue Exportzahlen, die am Donnerstag publiziert werden.

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Unter dem Strich scheint die Lage jedoch so positiv, dass die Industrie insgesamt inzwischen wieder damit liebäugelt, neue Stellen zu schaffen. Darauf deutet etwa die monatlich erhobene Umfrage unter Einkaufsmanagern.

CS erwartet keine deutliche Frankenabschwächung

Die positive Stimmung unter den Einkäufern ist nur eines von mehreren Indizien, die in den vergangenen Wochen auf ein deutliches Wachstum der Schweizer Wirtschaft in diesem Sommer hindeuten. Die Euro-Zone als wichtigster Handelspartner expandiert. Auch sind die politischen Risiken nach der Wahl in Frankreich gesunken.

Entsprechend könnte auch der Euro weiter an Wert gewinnen: Die Experten der UBS etwa erwarten bis Jahresende einen Frankenkurs von 1.14 Euro. Damit gehören diese Ökonomen aber eher zu den Optimisten: Bei der CS rechnet man nicht so bald mit einer deutlichen Abschwächung des Franken. Die Zeichen deuten dennoch auf Erholung.