David Cameron hat die britische Parlamentswahl beeindruckend für sich entschieden. Der Überraschungssieg reicht wohl sogar für eine Alleinregierung der Konservativen. An den Börsen sorgte das klare Ergebnis für Hochstimmung. Der britische Leitindex FTSE 100 knackte die Marke von 7000 Punkten. Vor allem die Aktien von Banken, Immobilienkonzernen und Versicherern schossen in die Höhe.

Der Wiedereinzug in die Downing Street dürfte auch in naher Zukunft für Auftrieb an den Finanzmärkten sorgen. «In den vergangenen Tagen sind die Risikoprämien in Grossbritannien wegen der politischen Unsicherheit bereits gestiegen - diese Unsicherheit entfällt nun», kommentierte Robert Jones, Analyst bei der Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP).

«Grössten Gewinner Banken wie UBS und CS»

Die Fachleute der Genfer IG Bank rechnen damit, dass sich die zuletzt starke Aufwertung des Frankens nun etwas abschwächen und so der Schweizer Börse Auftrieb geben könnte. «Die grössten Gewinner des Ergebnisses sollten Banken wie die UBS und die Credit Suisse sein, weil ein Sieg der Labour Partei sicher zu mehr Regulierung geführt hätte», heisst es in einem Kommentar. Entsprechend sollten Exportunternehmen wie Swatch und Richemont vom schwächeren Franken profitieren.

Anzeige

Auf längere Sich jedoch scheint diese Sicht der Dinge etwas verengt. Denn Cameron hat seinen Wählern eine Abstimmung zur Zugehörigkeit in der Europäischen Union bis Ende 2017 in Aussicht gestellt. Mit dem klaren Sieg ist der Weg für das Referendum geebnet. Sollte an den Börsen die Angst eines Ausstiegs der Briten aus der EU wachsen, dürfte das die Finanzmärkte belasten.

EU will keine Zugeständnisse machen

Das EU-Referendum sei ein grosses Risiko für die Wirtschaft, analysiert Holger Schmieding, Chefökonom bei der Berenberg Bank in London. «Jegliche Unsicherheit über den Ausgang eines Brexit-Referendums dürfte Wirtschaftsinvestitionen in den kommenden zwei Jahren belasten», so der Experte. Für die Schweiz könnte sich das zu einem Bumerang entwickeln, wenn Investoren aus Angst verstärkt in den sicheren Hafen Franken flüchten sollten.

Ob die Schweiz von den Separationstendenzen auf der Insel letztlich profitiert oder nicht, ist heute noch nicht absehbar. Im Gegensatz zum Drittstaat Schweiz ist Grossbritannien noch immer «Teil der Familie», wie Margaritis Schinas, Chefsprecher der EU-Kommission, heute sagte. Sollte die EU der Schweiz auch nur die geringsten Zugeständnisse machen, dürfte London diese für sich ebenfalls einfordern.

Personenfreizügigkeit kaum verhandelbar

Daneben betonten europäische Politiker wie die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zuletzt immer wieder, dass man Grossbritannien nicht um jeden Preis in der EU halten wolle und die Personenfreizügigkeit eine der wichtigsten Errungenschaften sei.